Harter Preiskampf bei Solarmodulen

von Redaktion

Sonnenenergie boomt, doch die europäischen Hersteller können hierzulande aber nicht konkurrenzfähig produzieren. Das Überangebot aus China ist riesig – was für Verbraucher bisher gut ist.

Photovoltaik-Anlagen finden sich auch in Bayern auf immer mehr Häusern. Die Preise sind in den vergangenen Jahren gesunken, die installierte Leistung hat sich vervielfacht. © Marcus Schlaf

München – Ungeachtet des Solarbooms sind die Aussichten für ein Überleben der Solarmodulproduktion in Europa düster. Notwendig für die von der EU gewünschte Wiederbelebung der heimischen Produktion wären ein konkreter Plan und mehr Unterstützung sowie bessere Rahmenbedingungen, argumentieren Industrievertreter und Fachleute. „Zum aktuellen Zeitpunkt ist hier ein wirtschaftlicher Betrieb einer Modulproduktion aufgrund der aktuellen Preissituation und der Überkapazitäten aus China nicht möglich“, heißt es beim Dresdner Unternehmen Solarwatt, das seine deutsche Fertigung in diesem Sommer schließt. „Wenn nicht schnell etwas passiert, wird es also schon sehr bald keine europäischen Modulproduktionen mehr geben.“

Dabei erwartet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) in diesem Jahr in Deutschland kräftiges Wachstum der installierten Photovoltaik-Leistung „im unteren zweistelligen Prozentbereich“. Das sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig im Vorfeld der heute in München beginnenden Messe Intersolar, dem bedeutendsten Branchentreff in Europa.

Die Nachfrage ist rasant gestiegen

Gesunkene Kosten haben nach Körnigs Worten dazu beigetragen, dass sich die Photovoltaiknachfrage bei privaten Immobilienbesitzern und -besitzerinnen in den vergangenen fünf Jahren verzehnfacht hat und in den vergangenen Monaten Firmen verstärkt ihre Dächer mit Solaranlagen bestücken. „Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von preiswerten Solarmodulen, aber auch große Teile der heimischen Solarbranche.“

2023 wurden in Deutschland laut Bundesnetzagentur Solaranlagen mit 14,1 Gigawatt Leistung installiert – fast doppelt so viel wie 2022. Doch von europäischen Modulherstellern kommen Krisenbotschaften: Neben Solarwatt schließt auch der Schweizer Produzent Meyer Burger sein deutsches Werk. Die Ursache ist Verdrängungswettbewerb in China, wo viele große Modulhersteller ihren Sitz haben. Die chinesische Konkurrenz fegte bereits etliche Europäer aus dem Markt. „Ungefähr 94 Prozent der PV-Module kommen aus Asien-Pazifik. Weitere drei Prozent werden von US-Unternehmen produziert, und dann kommt Europa“, sagt Eva Poglitsch, Energieexpertin der Unternehmensberatung Stra-tegy&. Der Verdrängungswettbewerb bringe alle in Probleme – selbst die Chinesen.

Und das dürfte auch so bleiben. „Die Hersteller von Solarmodulen haben daher weiterhin mit niedrigen Gewinnspannen zu kämpfen und wir rechnen damit, dass sich trotz weltweit stärkerer Nachfrage das Überangebot an Modulen im Jahr 2024 nicht auflösen wird“, sagt Matthias Taft vom Münchner Hersteller Baywa r.e. Positiv auswirken könnten sich nach Einschätzung des Managers günstigere Finanzierungskosten: „Die Nachfrage nach Modulen könnte jedoch insbesondere durch sinkende Zinsen an Fahrt aufnehmen.“

Deutsche Firma produziert in Asien

Schon weil es dort die meisten Rohstoffe gibt, zieht es derzeit jedoch viele deutsche Firmen nach Asien. Auch der Dresdner Hersteller Solarwatt lässt ab diesem Sommer dort fertigen. „Die Module seien weiterhin zu 100 Prozent Solarwatt-Module, betont der Unternehmenssprecher. Forschung und Entwicklung bleiben in Dresden. Der Heimatstandort soll auch vorerst nicht zurückgebaut werden. „Wenn sich die Marktbedingungen bessern, könnte Solarwatt die deutsche Fertigung wieder hochfahren.“

Ob das gelingt, hängt von der EU-Politik ab. Ihr „Net Zero Industry Act“ soll gewährleisten, dass die für den Klimaschutz bedeutende Industrie nicht aus Europa verschwindet. Stra-tegy&-Energiefachfrau Poglitsch verweist darauf, dass Europas Abhängigkeit von asiatischen Solarmodulen noch größer sei als ehedem bei russischem Gas. Beim Gas gab es die Ausweichmöglichkeit auf LNG-Gas. „Eine solche Ausweichmöglichkeit gibt es beim Markt für Solarmodule nicht.“

EU-Gesetz birgt Chancen

Der Net Zero Industry Act ist nach Poglitschs Einschätzung eine Chance für europäische Hersteller. „Trotz des schwierigen Markts spielen europäische Hersteller bei Innovationen im Bereich Photovoltaik sehr weit vorne mit.“ Die Politik müsse aber Anreizmechanismen und Regularien schaffen. Auch Solarwatt begrüßt den Beschluss zum Net Zero Industry Act, aber dieser allein werde nichts verändern. „Die Solarbranche in Europa braucht endlich einen konkreten Plan, wie es gelingen soll, dass 40 Prozent des Photovoltaik-Zubaus aus europäischen Fertigungen kommen sollen“, heißt es dort. „Erst wenn die Rahmenbedingungen klar sind, werden Hersteller wieder bereit sein, in den Standort Deutschland bzw. Europa zu investieren.“

Für europäische Hersteller wäre es mehr als bitter, wenn sich die heimische Produktion trotz des Solarbooms nicht lohnte. Laut Bundesverband Solarwirtschaft zeigen jüngste Repräsentativbefragungen bei Unternehmen und privaten Immobilieneigentümern „eine sehr hohe Investitionsbereitschaft in Photovoltaik und Batteriespeicher“, wie Hauptgeschäftsführer Körnig sagt.

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