Hohe Nachfrage: Die Deutsche Bahn will nach eigener Aussage nichts streichen. © IMAGO/Frank Hoermann /SVEN SIMON
München/Berlin – Die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium haben Medienberichte zurückgewiesen, wonach wegen steigender Trassenpreise im kommenden Jahr eine Reihe von Fernverkehrsverbindungen gestrichen werden soll. „Es gibt aktuell keine konkreten Pläne zur Streichung der genannten Fernverkehrsverbindungen“, erklärte DB-Fernverkehrschef Michael Peterson am Mittwoch. Er schränkte allerdings ein: „Je nach Höhe der zusätzlichen Belastungen sind wir gezwungen, den Umfang unseres Fahrplanangebotes bundesweit zu überprüfen.“ Der „Spiegel“ hatte zuvor berichtet, dass mehrere IC-Strecken vor allem in Ostdeutschland gestrichen werden sollen. So könnten die Intercity-Linien 61 (Karlsruhe – Stuttgart – Aalen – Crailsheim – Nürnberg – Leipzig), 51 (Gera – Weimar – Erfurt – Gotha – Kassel – Dortmund – Köln) und 34 (Norddeich Mole – Münster – Dortmund – Siegen – Frankfurt) komplett gestrichen werden. Auch soll das Angebot an ICE-Fahrten nach Stralsund an der Ostsee in der Nebensaison stark reduziert werden.
Grund sei die Eigenkapitalerhöhung bei der Bahn, welche die Infrastruktursparte zwinge, die Schienenmaut stark anzuheben, heißt es in einem vertraulichen Schreiben des DB-Konzerns an die Bundesnetzagentur. Das Schreiben stammt allerdings schon vom Februar.
Dass die Schienenmaut den Konzern belastet, ist bereits bekannt. Alle Unternehmen, die die Infrastruktur der Bahn nutzen, müssen sie an die DB-Tochter InfraGo zahlen, auch DB Regio, Cargo und Fernverkehr. Die Bundesnetzagentur genehmigte im März eine deutliche Erhöhung der Trassenpreise ab Dezember 2024. Allerdings gibt es Unterschiede: Der Regionalverkehr muss auf Druck der Bundesländer nur eine Erhöhung von 0,6 Prozent verkraften. Für den Fernverkehr beträgt die Erhöhung dafür aber über 17 Prozent, beim Güterverkehr sind es über 16 Prozent. DB InfraGo sprach bei der Bekanntgabe der Trassenpreise selbst davon, dass dadurch beide Bahn-Sparten „überproportional belastet“ würden.
Gegen die Trassenpreiserhöhung für 2025 liegen Klagen vor. Der Bund hat zudem in Aussicht gestellt, die Unternehmen mit einer Sonderförderung zu unterstützen. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte aber, dass Trassenpreisförderungen keine dauerhafte Lösung sein könnten. In den aktuellen Haushaltsverhandlungen setze sich das Ministerium dafür ein, kurzfristig unterstützen zu können. Es würden Wege geprüft, wie das aktuelle Trassenpreissystem langfristig überarbeitet werden könne.
„Eine Streichung von wichtigen Fernverbindungen durch die Deutsche Bahn wäre völlig falsch, wir erwarten von der Bahn, dass sie auf allen Strecken weiterfährt“, sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge. Der SPD-Verkehrspolitiker im Bundestag, Detlef Müller, kommentierte auf „X“: „Zur Klarstellung: Es wird keine Einstellungen von IC-Verbindungen geben.“ Doch für das Trassenpreissystem müsse eine Reform auf den Weg gebracht werden.
DW/DPA