Warum die EZB die Zinsen senkt

von Redaktion

EZB-Präsidentin Chrisine Lagarde hielt gestern sich zu weiteren möglichen Zinssenkungen bedeckt. „Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.“ © Daniel Roland, AFP

Frankfurt – Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert auf die schwindende Inflation im Euroraum und senkt die Zinsen. Der richtungsweisende Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken, fällt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Das teilte die Notenbank in Frankfurt mit. Damit schreitet die EZB bei ihrer im Juni begonnenen Zinswende voran.

Die jüngsten Inflationsdaten seien weitgehend wie erwartet ausgefallen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Zu weiteren Zinsschritten in den kommenden Monaten hielt sie sich bedeckt. „Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.“ Zinssenkungen stützen zeitverzögert die Wirtschaft. Firmen und Privathaushalte können bei günstigeren Krediten leichter investieren und konsumieren. Umgekehrt müssen sich Sparer auf fallende Zinsen bei ihrer Bank und geringere Renditen etwa bei Lebensversicherungen einstellen.

Noch im Oktober 2022 hatte die Inflation im Euroraum im Zuge des Ukraine-Krieges einen Höchststand von über zehn Prozent erreicht. Auch in Deutschland sank die Inflation zuletzt deutlich, auf noch 1,9 Prozent im August.

Die Teuerung im Euroraum werde 2024 bei im Schnitt 2,5 Prozent liegen und im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2025 in Richtung des Inflationsziels zurückgehen, erklärte die EZB. Daher sei es angemessen, die Geldpolitik weiter zu lockern, argumentierte die Notenbank.

Zugleich sieht sich die EZB einer schwachen Wirtschaft in der Eurozone gegenüber. Sie erwartet ein Wachstum von nur 0,8 Prozent 2024 – etwas weniger als im Juni vorhergesagt (0,9 Prozent). Erst in den Folgejahren werde sich die Konjunktur erholen.

Ifo-Präsident Clemens Fuest bezeichnet den Zinsschritt als „vertretbar“. Weitere Zinssenkungen erschienen aber nur angemessen, wenn sich der Rückgang der Inflation fortsetze. „Unmittelbare Auswirkungen auf die Konjunktur wird diese Zinssenkung nicht haben, weil sie an den Märkten schon eingepreist war.“

Bei ihrer Geldpolitik setzt die EZB unterdessen eine Neuerung um. Sie führt den Einlagenzins näher an den Zins heran, mit dem sich Banken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können („Hauptrefinanzierungssatz“). Er war früher als wichtigster Leitzins bekannt, während die Notenbank inzwischen ihre Geldpolitik de facto über den Einlagenzins steuert.

Die EZB hatte im März beschlossen, den Abstand zwischen den beiden Zinssätzen ab 18. September auf 0,15 Prozentpunkte zu begrenzen. Der Hauptrefinanzierungssatz sinkt daher noch stärker um 0,6 Prozentpunkte auf 3,65 Prozent, wie die EZB weiter mitteilte. Der engere Korridor soll Schwankungen bei den kurzfristigen Zinsen verringern und mehr Planbarkeit für Banken schaffen. Für Privatkunden dürfte das kaum Auswirkungen haben.

Die EZB hatte im Juni die Zinswende eingeleitet und erstmals seit der Inflationswelle die Zinsen gesenkt. An den Finanzmärkten wird mit weiteren Zinssenkungen gerechnet.

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