Baywa schreibt 222 Millionen ab

von Redaktion

In der Baywa-Zentrale wird heftig gerechnet. Die Höhe der Wertberichtigungen ist aktuell das Top-Thema. © Jens Hartmann

München – An den Finanzmärkten hatte man es schon länger vermutet, nun ist es amtlich: Die Baywa hat im ersten Halbjahr einen massiven Verlust gemacht, konkret sind es 290 Millionen Euro, wie der Agrarkonzern am Freitagabend mitteilte. Auch die Beteiligungen der Baywa sind deutlich weniger wert als bisher angegeben. Wegen der Wertberichtigung der über 500 Beteiligungen müssen insgesamt 222 Millionen abgeschrieben werden. Der Löwenanteil entfällt dabei auf die Baywa r.e. Der Wert der 51-prozentigen Baywa-Tochter wurde um 171,5 Millionen Euro niedriger angegeben.

Die auf Erneuerbare Energien spezialisierte Baywa r.e. wurde 2009 gegründet und wuchs seither ungebremst: Heute hat sie 5400 Mitarbeiter und macht Milliardenumsätze. Allerdings läuft vor allem das Geschäft mit Solar- und Windparks der Baywa r.e. schlecht, seit die Zinsen angestiegen sind und China den Markt mit Dumpingmodulen flutet. Der Mutterkonzern finanziert dieses Geschäft für die Tochter, zum Jahresende waren dort 3,6 Milliarden Euro an Kapital gebunden. Allein auf den Geschäftsteil mit Solar- und Windparks, dessen Verkauf im Sommer geplatzt war, betrug die Abschreibung 114,4 Millionen Euro, für die gesamte Tochter 171,5 Millionen. Laut Baywa soll sich das Geschäft zum Jahresende hin erholen. Ein Sanierungsgutachten für die Baywa r.e. ist wird derzeit erarbeitet.

Die Baywa legte auch endgültig Zahlen zum ersten Halbjahr vor, nachdem es wegen der Impairment genannten Untersuchung der Vermögenswerte Ende Juli lediglich vorläufige Zahlen gegeben hatte. Demnach fiel der Umsatz in den ersten sechs Monaten von 12,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum auf nun 10,7 Milliarden Euro. Nachdem im ersten Halbjahr 2023 vor Steuern und Zinsen noch 186,9 Millionen Euro geblieben waren, gab es dieses Halbjahr mit 0,0 Euro keinen operativen Gewinn – und nach Steuern ein sattes Minus. Nicht berücksichtigt sind auch die Abschreibungen aus den Wertberichtigungen, vor allem jene der Baywa r.e.. Die Tochter war auch maßgeblich mit für das schlechte Geschäft der Mutter verantwortlich. So schrumpfte der Umsatz der Baywa r.e. im Halbjahr von 3,0 auf 1,8 Milliarden Euro, statt über 100 Millionen Gewinn brachte die Tochter 98 Millionen Euro Verlust ins Konzernergebnis ein.

Bei den restlichen Unternehmensteile liefen die Geschäfte durchwachsen. Teilweise deutliche Umsatz- und Gewinnrückgänge gab es beim Handel mit Energieträgern, beim Agrarhandel, im Bau sowie beim Handel mit Düngern und Pflanzenschutzmitteln. Besser war dagegen das Geschäft mit Agrartechnik, wo die Baywa 2024 mehr neue und gebrauchte Landmaschinen verkaufte als im Vorjahreszeitraum. Damit steigerte sie den Umsatz von 1,2 auf 1,3 Milliarden und erhöhte den Vorsteuergewinn um rund ein Drittel auf 63 Millionen Euro. Ein kleiner Lichtblick war auch das Plus im globalen Obstgeschäft. Nachdem 2023 ein Sturm Plantagen in Neuseeland verwüstet hatte, stieg der Umsatz wieder von 518 auf 541 Millionen Euro. Es blieben 5,7 Millionen Gewinn.

Weil die Baywa im Sommer kein Geld mehr von Banken bekam und kurz vor der Pleite stand, brauchte das Unternehmen eine Notfallfinanzierung und es musste die Unternehmensberatung Roland Berger mit einem Sanierungsgutachten beauftragen. Das bescheinigte, dass eine Rettung grundsätzlich möglich sei, sofern es harte Einschnitte gebe. So muss der Konzern Beteiligungen verkaufen und Mitarbeiter abbauen. Dass die Baywa nun 222 Millionen Euro abschreibe, habe „keine negativen Auswirkungen auf die laufenden Sanierungsbemühungen der Baywa-Gruppe und die Umsetzung des gerade in der Erarbeitung befindlichen Restrukturierungskonzept“, sagt der Konzern. Eine Prognose zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr will Baywa-Chef Marcus Pöllinger nicht abgeben. Die Aktie schloss indes mit einem Plus von rund 3,8 Prozent.

Artikel 2 von 11