Appartement mit kleiner Küchenzeile. © The Base
Die Lage in Milbertshofen ist unspektakulär. © The Base
Empfangsbereich mit kleiner Bar im Co-Living-Gebäude „The Base“ in München. © The Base
München – Die Lage am Rande des Münchner Stadtbezirks Milbertshofen-Am Hart ist unspektakulär: Vor dem Gebäude drängt sich der Verkehr über die zweispurige Schleißheimer Straße, gegenüber hat sich BMW mit seinem Forschungs- und Innovationszentrum breitgemacht. Zur nächsten U-Bahn-Station sind des gut 20 Minuten Fußweg.
Trotzdem gibt es hier Wohnmöglichkeiten: In einem Gebäude namens „The Base“ gibt es 133 möblierte Appartements mit kleiner Küchenzeile. Los geht‘s bei Preisen ab 1299 Euro im Monat, hinzu kommt eine einmalige Gebühr von 249 Euro – für rund 20 Quadratmeter. Das ist selbst für Münchner Verhältnisse eine horrende Summe. Nur sagt der reine Quadratmeterpreis nichts über die Wohnqualität aus, warnt Florian Färber, Geschäftsführer von „The Base“. Denn was hier im April 2024 neu eröffnet hat, will mehr sein als ein reines Wohngebäude.
„Es gibt genug Spieler am Markt, die stellen irgendwelche ,Legebatterien‘ hin, das war‘s“, kritisiert Färber. Dagegen will der Unternehmer bei seinen Gästen mit Service-Leistungen punkten: Möbel, Strom, Wasser, Internet, Reinigung – alles ist im Preis enthalten. Hinzu kommen Gemeinschaftsflächen. Fitnessraum, Dachterrasse, Laptop-Arbeitsplätze, Sitzmöglichkeiten in einer kleinen Bar, vieles erinnert an ein Hotel – nur dass sich hier niemand ins Hotelzimmer verkriechen muss. Bis zu 20 Veranstaltungen im Monat würden angeboten, sagt Färber, etwa gemeinschaftliche Koch-Events, Tischtennisturniere oder Wanderausflüge in die Berge. Irgendwie ist „The Base“ auch eine Wohngemeinschaft (WG), und das WG-Zimmer wird in München im Schnitt auch für 790 Euro im Monat angeboten, wie eine Auswertung des Moses Mendelssohn Institut im Herbst ergeben hat. „Co-Living“ heißt der neue Trend am Immobilienmarkt – Florian Färber hat damit offenbar einen Nerv getroffen. Die Auslastung im „The Base“ habe wenige Monate nach dem Start bei über 90 Prozent gelegen, sagt er. Gut ein Viertel der Buchungen käme von Firmen, über 80 Prozent der Gäste stammten aus dem Ausland. Viele seien neu in München und auf Wohnungssuche, manche hielten sich für einen begrenzten Zeitraum in der Stadt auf. Knapp 30 Prozent der Gäste würden ihren Aufenthalt verlängern.
Und spätestens jetzt wird es kompliziert: „Das deutsche Baurecht kennt nur Wohnen oder Gewerbe, im Bereich des Gewerbes kennt es nur Hotel oder Office“, sagt Färber. Da Co-Living weder das eine noch das andere sei, ist vom gewerblichen Wohnen die Rede. In München darf Färber Appartements nur für maximal drei Monate vermieten – in anderen Münchner Stadtvierteln seien auch sechs Monate erlaubt, je nach Entscheidung der örtlichen Behörden. Von Co-Living habe in den Ämtern noch niemand etwas gehört, stattdessen sei man ihm dort mit „Negativität“ begegnet, wie Färber schildert.
„Wir sind nicht die Haie, wir sind nicht die, die Mieten treiben, wir sind eher die Lösung, das Überlaufventil“, sagt Färber angesichts des überhitzten Münchner Mietwohnungsmarktes. Von der Politik wünsche er sich mehr Offenheit, die Guten von den Schlechten zu trennen. Zumal für das Co-Living die tendenziell weniger attraktiven Randlagen der Stadt interessant seien, etwa leer stehende Bürogebäude. Färber hat vor, an zwei bis drei weiteren Standorten in München insgesamt 500 bis 600 Appartements zu eröffnen.
Ließe sich durch die massenhafte Umwidmung von Bürogebäuden der Druck am Wohnungsmarkt lindern? Der Büroflächenleerstand in München sei so hoch wie nie, sagt Felix Kugler, Geschäftsführer vom Gewerbeimmobilien-Makler Colliers. Insbesondere in den Randlagen gebe es Leerstand. Dies berge Potenzial für 14 000 Wohnungen für 24 000 Menschen „Das ist romantisch auf dem Papier, aber in der harten Realität eignet sich dafür nur ein Zehntel“, dämpft er allzu große Erwartungen. Die rechtlichen Hürden seien zu hoch.
Kugler prognostiziert für München weiter steigende Mieten, auch die Kaufpreise für Wohnungen dürften nach dem jüngsten Rückgang wieder anziehen. Offenbar können auch neue Wohnkonzepte diesen Trend nicht stoppen.