Trump treibt Bitcoin und Aktien

von Redaktion

Mit Kryptocoins sammelte Trump Milliarden ein. © IMAGO

Auch an der deutschen Börse stiegen die Kurse am Tag der Amtseinführung von Donald Trump: Der Dax sprang erstmals über 21 000 Punkte und knackte einen neuen Rekord. © Boris Roessler, dpa

Washington – Direkt vor seiner Amtseinführung hat der Trump-Clan digitale Gedenkmünzen auf Blockchain-Basis herausgegeben – und damit Milliarden eingesammelt. Der von Donald Trump am Freitag emitierte Kryptocoin $TRUMP erinnert an das Attentat auf ihn am 13. Juli und huldigt laut Beschreibung „einem Führer, der sich nicht unterkriegen lässt“: Anleger könnten sich ein Stück Geschichte sichern. Darauf setzt auch Trumps Frau Melania, die ihren am Montag herausgegebenen Coin $MELANIA nicht als Investment, sondern als Unterstützung Trumps bewirbt. Offenbar sind viele bereit, den beiden Geld zu geben: $TRUMP war zuletzt rund elf Milliarden Dollar wert, $MELANIA zwei Milliarden. 80 Prozent sollen an zwei mit der Trump-Organisation verbandelten Firmen gehen.

Der Vorgang zeigt, worauf Trumps Präsidentschaft hinauslaufen könnte: Eine Mischung aus Selbstbedienungsladen und libertärem Gesellschaftsumbau. Dazu gehört auch, dass Trump die Regulierung für Kryptowährungen schon aus Eigeninteresse stark aufweichen könnte, obwohl Verbraucherschützer vor Kursschwankungen, Abzocke und Kriminalität in diesem Bereich warnen. Die Finanzmärkte feiern Trumps Agenda der Deregulierung dagegen bisher: Der Bitcoin erreichte bei über 109 000 Dollar am Montag ein Rekordhoch, auch US-Aktien legten zuletzt kräftig zu. Sogar der deutsche Dax kletterte am Tag von Trumps Inauguration erstmals über 21 000 Punkte, weil Hoffnungen aufkeimten, dass Trump doch keine so harten Zölle gegen Europas Autobauer und Industriekonzerne verhängen könnte.

So extrem Europäern Trumps Politik auch erscheinen möge: Die Börse sei „keine moralische Instanz“ und die Aussichten auf Deregulierung und Steuersenkung seien zunächst positiv für Aktien, heißt es in einem Kommentar der Fondsgesellschaft Antecedo. Außerdem ist die Börsenrally keineswegs nur auf Trump zurückzuführen. Sie hat auch damit zu tun, dass die Konjunktur zumindest in den USA läuft. Allein diese Woche werden 43 der 500 größten US-Konzerne ihre Geschäftszahlen vorlegen und die Analysten der Citigroup gehen davon aus, dass diese besser als erwartet ausfallen dürften. Über all dem schwebt die Geldpolitik. Hier machte eine gesunkene Kerninflation in Amerika es wieder wahrscheinlicher, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter senken könnte, was der Wirtschaft und den Börsen helfen würde.

Die große Frage ist allerdings, wie lange der Optimismus vorhält – nicht nur in der Zollfrage. So weist man bei Antecedo darauf hin, dass die Stimulation der US-Wirtschaft in einer Zeit ohnehin starken Wachstums zu Überhitzung führen könnte und die unter Trump drohende rigide Migrationspolitik den US-Arbeitsmarkt ans Limit bringen dürfte. Das könne die Inflation anheizen und die US-Notenbank zu Zinserhöhungen statt Zinssenkungen zwingen – was wiederum die Wirtschaft und die Börsen ausbremsen würde.

Den USA droht also ein wilder Ritt. Denn egal ob Migration, Sozialpolitik, Klimaschutz oder Zölle: durch Trumps radikale Agenda seien Konflikte vorprogrammiert, die letztlich das Vertrauen in die Wirtschaft untergraben und nach einer Anfangseuphorie zu sinkenden Aktienkursen führen könnten, warnen die Experten von Antecedo. Auch in Trumps erster Amtszeit habe sich Trump mit spektakulären Ankündigungen immer als Präsident dargestellt, der für Wachstum sorge, so die Fondsgesellschaft. „Die Probleme kommen immer später mit den Fragen, wie nachhaltig diese Entwicklungen sind und welche Kosten sie verursachen.“

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