Problemfeld E-Mobilität: In Deutschland wurden 2024 rund 1,4 Millionen E-Autos gebaut, nur in China waren es mehr, nämlich 12,5 Millionen. © Foto. dpa
Berlin – Deutschlands Autobranche steht vor einem entscheidenden Jahr. Das machte Hildegard Müller vom Autoverband VDA bei einer Pressekonferenz in Berlin klar. Das liegt nicht nur daran, dass US-Präsident Donald Trump deutsche Hersteller mit Zöllen bedroht, wenn sie Autos nach Amerika liefern. Die Absatzschwäche der Branche, die allgemeine Standortkrise Deutschlands, die Transformation zur E-Mobilität, die Konkurrenz aus China und strengere EU-Flottenziele: die Autobauer kämpfen gerade an vielen Fronten gleichzeitig.
So habe Deutschlands Autoindustrie zwar starke Marken, wie Müller betonte. Diese verlieren aber an Boden. Auch wenn die Produktion deutscher Hersteller 2025 laut VDA-Prognosen minimal auf 4,2 Millionen Autos aus deutschen Werken und 13,9 Millionen insgesamt zulegen könnte, würde sie damit noch 2,2 Millionen unter dem Stand von 2019 liegen. Erheblichen Anteil daran hat die Schwäche des deutschen Marktes, wo laut VDA 2025 2,8 Millionen Autos verkauft werden dürften, rund 800 000 nach wie vor weniger als vor sechs Jahren. Der Weltmarktanteil deutscher Hersteller ist seit dem Jahr vor der Corona-Pandemie sogar von 20,7 auf 17,3 Prozent gesunken.
Probleme gibt es auch bei der E-Mobilität, dem großen Wachstumsfeld im Autobau. China ist hier meilenweit enteilt, was ebenfalls mit an der Schwäche des deutschen Marktes liegen dürfte: 2024 wurden wegen dem abrupten Aus der Förderung und der anhaltenden Debatten über E-Mobilität nur 381 000 E-Autos verkauft, über ein Viertel weniger als 2023. Entgegen dem EU-Trend stieg in Deutschland dafür der Anteil der neu zugelassenen Autos mit Benzin- oder Dieselmotor im vergangenen Jahr leicht. Wollen die Autobauer die strengeren EU-Flottenziele im kommenden Jahr erreichen und so Strafzahlungen vermeiden, müssten sie 2025 in Deutschland etwa 666 000 E-Autos verkaufen, 75 Prozent mehr als dieses Jahr. Lediglich BMW hat wegen einem hohen Anteil an Stromern und Hybriden bei den Verkäufen derzeit kein Problem, die Grenzwerte einzuhalten.
Entsprechend kritisch sieht VDA-Chefin Müller auch die EU-Flottengrenzwerte, über die dringend debattiert werden müsse, wie sie sagte. Auch VW hatte das kürzlich gefordert. Zudem begrüßt Müller, dass dieses Jahr das in Europa für 2035 geplante Verbrennerverbot erneut auf den Prüfstand kommen soll. Bis 2035 könnte die Transformation zur E-Mobilität in der Branche insgesamt rund 190 000 Arbeitsplätze kosten, so der VDA. Würden Wirtschaftskrise und Standortprobleme anhalten, könnten es „noch deutlich mehr“ sein.
Von der Politik wünschte sich Müller dennoch keine Förderprämie für neue E-Autos, sondern bessere Rahmenbedingungen, etwa beim Aufbau von Ladesäulen und der Industriepolitik. Zudem forderte sie einen „Mentalitätswandel und Politikwechsel“, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen. Die Unternehmen im Verband würden bis 2029 zwar 320 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung stecken, 220 Milliarden davon, um Werke fit für die Zukunft zu machen. Der Großteil würde aber im Ausland investiert. „Es geht darum, wo die Zukunft unserer Industrie zu Hause sein wird.“
Konkret forderte sie unter anderem günstigeren Strom und geringere Auflagen bei der Produktion von Wasserstoff. Gleichzeitig müssen laut Müller die Unternehmenssteuern sinken, der Solidaritätszuschlag wegfallen, die Abschreibungsbedingungen verbessert und eine Prämie für Investitionen in die Zukunft eingeführt werden. Zudem brauche man mehr Pragmatismus und einen Bürokratieabbau, „und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in Brüssel“, sagte die VDA-Chefin. Mit Blick auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und autonomes Fahren forderte Müller eine „praxistaugliche Umsetzung“ der jeweiligen Gesetze. Denn: „Unsere Unternehmen sind dauernd in der Warteposition, während andere an uns vorbeiziehen.“