Der Leopard 2 bekommt einen Nachfolger

von Redaktion

Das französische Pendant zum Leopard. Allerdings wird der Leclerc von Nexter nicht mehr neu gebaut. Und einen Nachfolger gibt es bisher nicht. © Ian Langsdon, dpa

Ein Export-Schlager: Der Leopard wird noch viele Jahre an Armeen ausgeliefert, bis ein Nachfolger in Serie geht. © imago

Paris/München – Die bisher eher zähe europäische Zusammenarbeit im Rüstungsbereich hat gestern eine signifikante Hürde genommen: Die Rüstungsunternehmen KNDS Deutschland (Krauss-Maffei-Wegmann) KNDS Frankreich (Nexter), Rheinmetall (Deutschland) und Thales (Frankreich) haben den Gesellschaftervertrag für eine Projektgesellschaft unterzeichnet. Gemeinsames Ziel: die Entwicklung einer neuen Kampfpanzer-Generation.

Diesmal zogen Politik und Wirtschaft an einem Strang. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und sein französischer Amtskollege Sébastian Lecornu waren bei der Vertragsunterzeichnung in Paris dabei. So viel Einigkeit war selten bei dem Versuch, etwas gemeinsam auf die Ketten zu stellen. Internationale militärische Gemeinschaftsprojekte wie der Transport-Airbus A400M oder der Kampfhubschrauber Tiger wurden durch unterschiedliche Vorstellungen der beteiligten Armeen jedes Mal mit unterschiedlichen Anforderungen überfrachtet, was die Kosten in die Höhe trieb und zu jahrelangen Verzögerungen führte. Möglicherweise hat hier die Bedrohung durch Russland zu einem Umdenken auf der politischen Ebene geführt. Nun ist bei der Einigkeit die Industrie am Zug.

Das Projekt, um das es geht, heißt Main Ground Combat System (MGCS), was übersetzt soviel heißt wie Haupt-Bodenkampf-System. MGCS soll zur Jahrhundertmitte die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ersetzen. Daraus soll aber kein Leopard 3 werden und auch kein Leclerc 2, sondern etwas völlig Neues: gepanzerte Fahrzeuge mit einer gemeinsamen Wanne, aber unterschiedlicher Bewaffnung: Kanonen oder Lenkflugkörper.

Die Fahrzeuge sollen teils bemannt und teils unbemannt, aber immer im Verbund und vernetzt operieren. Damit ähnelt der Grundgedanke dem Future Combat Air System (FCAS) in der Luft, bei dem Kampfflugzeuge von mit ihnen vernetzten Drohnen begleitet werden. Auch daran sind maßgeblich Airbus und Dassault Deutschland und Frankreich beteiligt.

Das gemeinsame Unternehmen für die nächste Panzer-Generation soll es den Partnern ermöglichen, Dokumente untereinander auszutauschen. Überwiegend sind es solche, deren Weitergabe zwischen getrennten Unternehmen nicht erlaubt wäre, weil sie als geheim eingestuft sind. Außerdem soll das Unternehmen die untechnologischen Säulen des Projekts zusammenführen.

Der Grundgedanke ist nicht neu. Bereits die Gründung von KNDS hatte zum Ziel, solche Projekte, die ein einzelnes Land sich kaum noch leisten kann, nicht mehr national, sondern europaweit anzugehen. Doch bisher haben Reibereien zwischen den Partnern die Umsetzung verzögert.

Auch zwischen KMW und Rheinmetall, die bisher gemeinsam den Leopard 2 bauen, gab es immer wieder Spannungen. Rheinmetall hat gegen KNDS beispielsweise den Konkurrenzentwurf eines Kampfpanzers Panther vorgestellt. Nun sitzen alle im gleichen Boot. Die französische Seite hält 50 Prozent, die deutsche ebenfalls. Und jedes der beteiligten Unternehmen bekommt ein Viertel der Anteile an der MGCS Project Company GmbH. Auch bestimmte Aufgaben sind verteilt.

Für den Standort München ist das eine gute Nachricht. Denn derzeit gibt es in ganz Westeuropa, bisweilen hieß es auch in der ganzen westlichen Welt, nur noch ein Unternehmen, das neue Kampfpanzer bauen kann: Das ist die Panzerschmiede am Münchner Bahnhof Allach. Da es nur wenige Spezialisten gibt, die die für Panzer erforderlichen dicken Metallplatten sauber verschweißen können, dürfte an einen ansehnlichen Auftragsvolumen für München kaum ein Weg vorbeiführen.

Doch MGCS ist noch Zukunftsmusik. Der Zeithorizont für eine industrielle Fertigung liegt nach derzeitigen Planungen zwischen 2040 und 2045. Bis dahin werden noch viele neu gebaute und immer wieder modernisierte Leoparden die Hallen der traditionsreichen Münchner Panzerschmiede verlassen und international ausgeliefert. Das rissige Plakat am Zaun des Werksgeländes bleibt aktuell. Darauf steht: „Leopard‘s Home“.

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