Bahn-Tarifrunde

von Redaktion

Vorerst ohne Streikgefahr

Berlin – Am heutigen Dienstag starten die nächsten Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn. Diesmal geht es um die Löhne der rund 192 000 Tarifbeschäftigten, die von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten werden. Auf dem Papier ist alles wie gewohnt. Die EVG verlangt 7,6 Prozent mehr Geld für ihre Mitglieder, für alle anderen fünf Prozent. Schichtarbeiter der Gewerkschaft sollen zusätzlich weitere 2,6 Prozent Zusatzgeld erhalten. „In dieser Tarifrunde sind uns mehr Wertschätzung für harte Arbeit und die Sicherheit von Einkommen und Beschäftigung wichtig“, sagt die Verhandlungsführerin der EVG, Cosima Ingenschay.

Am liebsten würde die EVG gerne noch vor der Bundestagswahl zu einem Abschluss kommen. Denn die Gewerkschaft befürchtet eine Zerschlagung des Konzerns durch eine neue Regierung. Im Wahlprogramm der CDU findet sich eine entsprechende Ankündigung. „Für mehr Wettbewerb müssen Infrastruktur- und Transportbereich stärker voneinander getrennt werden“, heißt es darin. Netz und Betrieb stehen im Falle eines Wahlsieges wohl vor der Trennung.

Die zweite Sorge trägt die Bezeichnung S3. Das Kürzel steht für das aktuelle Sanierungsprogramm, dass über die kommenden drei Jahre angelegt ist und die Bahn wieder auf die Erfolgsspur zurückbringen soll. Ein Kernstück ist dabei der Abbau von Personal. 20 000 Stellen. Allerdings hat der Bahnvorstand bisher stets betont, das im operativen Geschäft, also etwa bei Lokführern, Technikern oder Zugbegleitern keine Jobs gestrichen werden. Doch dIe EVG will lieber auf Nummer sicher gehen. Deshalb beinhalten die Forderungen auch eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2027. „Wenn unsere Kolleginnen und Kollegen nicht zum Spielball der Politiker werden sollen, geht das nur jetzt“, befürchtet Ingenschay. Nach der Wahl sei es womöglich zu spät. Deshalb müssten die Arbeitgeber schon beim ersten Treffen ein Angebot vorlegen. Ob das der Fall sein wird, lässt DB-Personalvorstand Martin Seiler noch offen.

Für die Fahrgäste bedeutet die Tarifrunde erst einmal keine Streikgefahr. Denn die Verhandlungen werden vorgezogen. Die Friedenspflicht aus dem laufenden Vertrag endet erst Ende März. Ein Arbeitskampf ist frühestens im April möglich.
WOLFGANG MULKE

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