Tech-Crash trifft Kleinsparer

von Redaktion

Hektischer Tag an der Technologiebörse in New York. Die Kurse brachen teils dramatisch ein. Wie es weitergeht: offen. © afp

New York/Frankfurt – Diesen Namen haben selbst viele Kenner noch nie gehört: Das chinesische Start-up DeepSeek kommt aus dem Nichts und hat offenbar mit nur wenigen Millionen Dollar Budget, einem kleinen und jungen Team sowie begrenzter Rechenleistung ein starkes und kostenloses Modell für Künstliche Intelligenz auf den Markt gebracht, das es mit jenen der Platzhirsche aus den USA aufnehmen kann. Die Techbranche ist geschockt und die Anleger sind es auch. Bei einem regelrechten Börsenmassaker wurde am Montag rund eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet.

Besonders betroffen: die Aktie des Chipherstellers Nvidia, die zwischenzeitlich um rund 15 Prozent abstürzte, weil DeepSeek für seine KI deutlich weniger Chips braucht als etwa OpenAI. Aktien von Konzernen wie Meta, Alphabet oder Amazon, die Milliarden in KI investieren, kamen ebenso unter die Räder wie der US-Technologieindex Nasdaq, der zum US-Börsenstart rund vier Prozent im Minus lag. Auch für deutsche Anleger ist der Absturz ein Grund zur Sorge. Zwar waren die meisten deutschen Werte nicht vom Ausverkauf betroffen und auch der Dax hielt sich mit einem kleinen Minus relativ stabil. Doch allein die sieben US-Techriesen Apple, Nvidia, Alphabet, Meta, Amazon, Tesla und Microsoft machen bei ETFs auf den globalen Aktienindex MSCI World etwa ein Viertel aus. Und diese ETFs sind bei deutschen Anlegern als Sparplanprodukt sehr beliebt.

Platzt die Blase bei Tech-Aktien?

Der Erfolg der erst seit wenigen Tagen verfügbaren App zeige, wie naiv der Gedanke gewesen sei, dass KI-Anwendungen nur aus den USA kommen können, erklärt Christian Wieschnewski vom Bankhaus Bauer. „Die Anleger haben plötzlich realisiert, dass China auch bei KI ein potenzieller Konkurrent ist, und in den Panikmodus geschaltet“, sagt er. Von einem Platzen der Technologie-Blase will er anders als andere Beobachter aber nicht sprechen. „Ich glaube eher, dass große Investoren diese Situation zum Anlass genommen haben, nach vielen Monaten mit steigenden Kursen Gewinne mitzunehmen.“

Ohnehin ist an der Börse umstritten, ob Techaktien in einer Blase sind. Einerseits sind deren Kurse im Zuge des KI-Hypes tatsächlich schon sehr weit gelaufen. Die Aktie von Nvidia hat zum Beispiel in den vergangenen fünf Jahren über 2000 Prozent zugelegt, der Börsenwert des Konzerns liegt heute bei umgerechnet 3,3 Billionen Euro und damit etwas höher als der aller 40 Dax-Unternehmen zusammen. Anderseits hat der amerikanische Chipkonzern allein im vergangenen Quartal seinen Gewinn auf 19,3 Milliarden Dollar verdoppelt, während die Gewinne der Dax-Konzerne in der gleichen Zeit auf 18,6 Milliarden gesunken sind. Dem hohen Börsenwert stehen also auch entsprechende Profite gegenüber.

Skepsis gegenüber Zahlen von DeepSeek

Wie es mit den amerikanischen Techaktien an der Börse weitergeht, dürfte auch davon abhängen, wie profitabel die Geschäfte zuletzt waren und welche Ausblicke die Konzerne geben, sagt Christian Wieschnewski vom Bankhaus Bauer. In dieser Woche öffnen Microsoft, Meta, ASML und Amazon ihre Geschäftsbücher, Alphabet ist am 4. Feburar dran, Nvida am 26. Februar. Und auch hinter dem kometenhaften Aufstieg von DeepSeek steht ein Fragezeichen. So können sich Experten vorstellen, dass die junge Firma ihre Entwicklungskosten von 5,6 Millionen Dollar viel zu niedrig angegeben hat, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Zugang zu Kapital dürfte sie haben, immerhin steht hinter DeepSeek ein milliardenschwerer Hedgefonds aus China. Und: Die USA erschweren China durch Handelsbeschränkungen den Zugang zu Hochleistungschips von Nvidia, weshalb DeepSeek bei der Zahl der verwendeten Grafikprozessoren ebenfalls stark untertrieben haben könnte, um nicht ins Visier von US-Behörden zu geraten.

Dennoch ist die Branche alarmiert: Meta kündigte vor wenigen Tagen an, allein in diesem Jahr 60 Milliarden in KI-Entwicklung zu investieren. Und Microsoft-Chef Satya Nadella räumte ein, dass die KI von DeepSeek „super beeindruckend“ sei. „Wir sollten die Entwicklungen aus China sehr, sehr ernst nehmen“, sagt er. Auch Tech-Experte Wieschnewski glaubt, dass das Rennen um das beste KI-Modell offener ist denn je: „Die Branche steckt noch in den Kinderschuhen und die Entwicklung geht rasend schnell“, sagt er. „Doch die Techriesen aus den USA sollte man nicht vorschnell abschreiben. Vielleicht kommt der nächste Durchbruch schon wieder von ihnen.“

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