München – Die Wirtschaftsforscher des Münchner ifo-Instituts fordern, Asylsuchende nicht mehr nach Kriterien wie Steuereinkommen und Bevölkerungszahl von Landkreisen zu verteilen, sondern die Zahl offener Stellen vor Ort stärker zu berücksichtigen. Durch den demografischen Wandel steigt die Zahl offener Stellen, diese könnten so besser besetzt werden. Mit den Jobs würden Asylsuchende auch schneller Teil der Gesellschaft.
„Die Erstunterbringung von Asylsuchenden ist entscheidend für eine erfolgreiche Integration“, sagt Panu Poutvaara, Leiter des ifo Zentrums für Migration und Entwicklungsökonomik. Je niedriger die Arbeitslosigkeit sei, desto höher sei die Chance, dass Asylsuchende einen Job bekommen – und umgekehrt. Für jeden Prozentpunkt, den die Arbeitslosigkeit in einem Landkreis höher ist, sinke die Wahrscheinlichkeit, dass Asylsuchende einen Job bekommen, um fünf Prozentpunkte, hat Poutvaara errechnet. Er verweist auch auf den Zusammenhang von Integrationschancen und Rechtsextremismus. So fallen die Jobperspektiven für jedes Prozent, dass rechtsextreme Parteien mehr an Stimmen bekommen, um drei Prozent.
Bisher werden Asylsuchende in Deutschland anhand des „Königsteiner Schlüssels“ verteilt: zwei Drittel nach dem Steuereinkommen der Bundesländer und ein Drittel nach der Bevölkerungszahl. Eine gleichmäßige Verteilung von Flüchtlingen in Europa findet der Forscher nicht sinnvoll: „Asylsuchende in ein Land zu zwingen, das sie nicht willkommen heißt, würde sie in Armut und sozialer Isolation gefangen halten“, sagt Poutvaara.
Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind derzeit unter den Asylsuchenden aus den acht wichtigsten Herkunftsländern 633 100 sozialversicherungspflichtig beschäftigt und 102 600 gehen einem Minijob nach. Das entspricht einer Beschäftigungsquote von 46 Prozent. Bei den Herkunftsländern handelt es sich um Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Bei den Ukrainern, die nach Deutschland geflüchtet sind, ist die Beschäftigungsquote mit 32 Prozent niedriger. Hier sind 245 200 sozialversicherungspflichtig beschäftigt und 50 800 in einem Minijob. Über 450 000 Flüchtlinge und Ukrainer sind in Integrations-, Förder- sowie Sprachkursen oder in Ausbildungen.
HÖSS