Stahlzölle: Das wären die Folgen

von Redaktion

Aus Deutschland werden jährlich rund eine Million Tonnen Stahl in die USA exportiert. Das Foto zeigt aufgewickelten Stahl von Salzgitter in Niedersachsen. © Julian Stratenschulte, dpa

Brüssel/Berlin – US-Präsident Donald Trump hat neue Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA angekündigt. Auch wenn noch keine Einzelheiten bekannt sind, sind Politik und Wirtschaft besorgt. Es gibt aber auch die Erwartung, die Zölle durch Verhandlungen noch abwenden zu können.

Wie reagiert die EU zu der Ankündigung?

Sie warnte Trump vor der Einführung der neuen Zölle. „Wir werden handeln, um die Interessen europäischer Unternehmen, Arbeitnehmer und Verbraucher vor ungerechtfertigten Maßnahmen zu schützen“, teilte die EU-Kommission mit. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, Zölle würden die deutsche Wirtschaft treffen. EU und Bundesregierung setzten sich weiter dafür ein, dass es nicht dazu komme. Zugleich seien Vorbereitungen für den Fall der Fälle getroffen.

Was sagt die deutsche Stahlindustrie zu der Ankündigung?

Sie ist in Sorge. Die USA seien der wichtigste Absatzmarkt für die europäische Stahlindustrie, heißt es beim Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl. Aus der gesamten EU seien 2023 rund vier Millionen Tonnen in die USA exportiert worden. Allein aus Deutschland seien es jährlich rund eine Million Tonnen, zumeist Spezialstähle. Deutschlands größter Stahlhersteller, Thyssenkrupp Steel, äußert sich dagegen gelassen. „Die angekündigten Zölle auf Importe in die USA würden nach jetzigem Kenntnisstand nur einen sehr begrenzten Einfluss auf die Geschäfte von Thyssenkrupp haben“, teilte das Unternehmen in Essen mit. „Der Hauptmarkt für den Stahl von Thyssenkrupp ist Europa“, sagte ein Sprecher.

Wie reagiert die deutsche Aluminiumindustrie?

Die Lieferbeziehungen zu US-Kunden würden bei Einführung der Zölle auf eine „harte Probe“ gestellt, sagte der Verband Aluminium Deutschland. „Bei den Produkten handelt es sich um spezielle Anwendungen, für die in den USA selbst nicht genügend oder gar keine Kompetenzen und Kapazitäten vorhanden sind“, so ein Sprecher. 2023 gingen laut Branchenverband rund 51 000 Tonnen Aluminium aus Deutschland in die USA. Hinzu kämen Exporte über aluminiumhaltige Waren.

Und die deutsche Autoindustrie?

Sie nennt die Ankündigungen „besorgniserregend“. Die Zölle würden zunächst die Produktion in den USA verteuern und somit zu zusätzlichen Kosten für die dortige Industrie führen, heißt es beim Verband der Automobilindustrie (VDA). Dies betreffe auch die deutsche Autoindustrie, die in den USA jährlich mehr als 900 000 Autos produziere.

Hatte Trump nicht schon einmal solche Sonderzölle eingeführt?

Ja. Das war im Jahr 2018 in der ersten Amtszeit des Republikaners. Damals wurden Aufschläge in Höhe von 25 Prozent auf die Einfuhr von Stahlprodukten und in Höhe von 10 Prozent auf die Einfuhr von Aluminiumprodukten angeordnet. Insgesamt waren nach Berechnungen der EU damals jährliche europäische Stahl- und Aluminiumexporte im Wert von 6,4 Milliarden Euro betroffen. Laut Wirtschaftsvereinigung Stahl halbierten sich damals die EU-Exporte in Richtung USA – von 5,2 Millionen Tonnen 2018 auf 2,5 Millionen Tonnen im Jahr 2020.

Wie reagierte die EU damals?

Mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter. Trump hatte die Sonderzölle „mit nationalen Sicherheitsinteressen“ begründet. Die EU hielt das für unglaubwürdig und ging davon aus, dass es darum ging, die US-Wirtschaft vor Konkurrenz zu schützen. Im Herbst 2021 einigte sich die EU mit der Regierung von Trumps demokratischem Nachfolger Joe Biden auf ein Stillhalteabkommen, das zur Folge hatte, dass die Zölle weitestgehend ausgesetzt wurden. Das Stillhalteabkommen läuft noch zum 31. März.

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