Die Bayerischen Sparkassen sind bei den Kunden erfolgreich, ächzen aber unter überbordender Regulierung. Jetzt hoffen sie auf Besserung. © Sven Hoppe, dpa
München – Die Sparneigung der Bayern ist ungebrochen. Allein bei den 58 Sparkassen im Freistaat stiegen 2024 die Einlagen um 3,6 Prozent oder 7,1 Milliarden Euro – auf nunmehr 203 Milliarden. Auch setzen viele Sparer vermehrt auf Wertpapiere. Allein die Umsätze mit ETFs kletterten um 46 Prozent. Doch die Zahlen haben einen Schönheitsfehler: 10,5 Prozent der Haushalte können nicht sparen, sagt Matthias Dießl, der Präsident des Sparkassenverbands Bayern.
Und auch auf der anderen Seite der Medaille verschärft sich das Ungleichgewicht. Das Kreditvolumen hinkt deutlich hinter den Einlagen her. Es steigerte sich 2024 lediglich um 0,9 Prozent auf 171,8 Milliarden Euro. Damit klafft zwischen beiden Seiten eine Lücke von nunmehr 32 Milliarden Euro. Das signalisiert eine nach wie vor deutliche Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen.
Auch ein positives Zeichen trägt nicht wirklich: Nach zwei Jahren mit starken Rückgängen, wurden im vergangenen Jahr 21,7 Prozent mehr Wohnungsbaufinanzierungen abgeschlossen. Doch fast ausschließlich wechselten Bestandsimmobilien den Eigentümer. Der dringend benötigte Zubau neuer Häuser und Wohnungen liegt brach.
Die gesunkenen Zinsen hinterlassen auch bei den Zahlen der Sparkassen Spuren. Der Zinsüberschuss sank um 1,8 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Dafür stieg der Provisionsüberschuss um 6,5 Prozent. Weil aber die Inflation die Kosten deutlich steigen ließ, fielen Bayerns Sparkassen beim Betriebsergebnis vor Bewertung unter die Drei-Milliarden-Marke zurück. 2,97 Milliarden Euro sind ein Minus von 3,2 Prozent. Dießl sprach von einem „dennoch gut auskömmlichen Ergebnis.“
Von der vom Bundesgerichtshof verfügten Rückzahlung von Negativzinsen sind die bayerischen Sparkassen, so Dießl, nicht oder nur leicht betroffen. Man sei dabei erst spät eingestiegen und habe für transparente Regelungen gesorgt. Genaueres kann er erst sagen, wenn die Urteilsbegründung vorliegt, versprach aber: „Wir werden unseren Verpflichtungen nachkommen.“
Deutlich mehr Sorgen bereitet den Sparkassen der Blick auf das bürokratische und behördliche Umfeld. Seit der Finanzkrise seien mehr als 50 000 neue Rechtsnormen geschaffen worden. „Regulatorische Lasten, die unsere Kunden und die Wirtschaft insgesamt belasten, haben weiter zugenommen“, sagt Dießl. „Regulierung, Bürokratie und die Eigenkapitalunterlegung von Krediten müssen überdacht und abgemildert werden.“ Die EU brauche massiven Kapitaleinsatz, „um ihren Investitions- uns Innovationsrückstand gegenüber den USA und China aufzuholen“.