Wirtschaft für mehr Windkraft

von Redaktion

Auf Windkraft liegt die Hoffnung der Industrie. © Daniel Karmann

München – Die vbw (Vereinigung der bayerischen Wirtschaft) ist nicht gerade verdächtig, eine grüne Aktivistengruppe zu sein. Dennoch gab es mal wieder deutliche Kritik am langsamen Tempo der Energiewende: „Genügend bezahlbare Energie ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Wirtschaft. Der Ausbau von Erneuerbaren Energien und Netzen muss deshalb massiv beschleunigt werden“, stellte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt klar. Die vbw lässt einmal im Jahr vom Beratungsunternehmen Prognos den Stand der Energiewende messen. Hauptsächlich wird geprüft, wie sehr die Entwicklung von Erneuerbaren, Netzen und Speichern vom nötigen Ausbau zum Erreichen der Klimaziele abweicht.

■ Netzausbau

Ein besonderes Ärgernis ist der vbw der langsame Netzausbau. Um Wind- und Solaranlagen ans Netz zu bringen, aber auch um die nötige Leistung für Wärmepumpen und E-Autos zu stellen, braucht es mehr und stärkere Stromnetze. Derzeit liegt der Ausbau rund zehn Prozent unter dem Soll. Und das obwohl die Zahl der geplanten, genehmigten und gebauten Trassenkilometer zwischen 2019 und und 2024 von rund 8000 auf rund 14 000 gestiegen ist. Schon jetzt kosten Netzentgelte die Industrie bereits 2,7 Mal so viel wie 2010. Studienautorin Almut Kirchner: „Das hat viel mit dem Investitionsstau zu tun. Hätten wir schon vor 20 Jahren die Netze so ausgebaut, wie es in den Plänen stand, täten wir uns heute leichter.“ Denn: Netze können über 50 Jahre abgeschrieben werden. Und weil die Netze nicht mit dem Ausbau der Erneuerbaren gewachsen sind, kommt es immer öfter zu Engpässen. Die müssen im sogenannten Redispatch behoben werden. Das bedeutet meist: Windräder werden abgeregelt und die Betreiber entschädigt, Gaskraftwerke werden hochgefahren. Aktuell kostet Gas im Großhandel rund 2,5 Mal so viel wie vor der Energie-Krise. Diese Kosten werden auf die Netzentgelte umgelegt.

■ Wind und Solar

Besonders Bayern ist den Ausbauzielen für Solarenergie recht nahe. Das hat vor allem mit den privaten Haushalten und den drastisch gefallenen Preisen für Solarpanele zu tun. Gleichzeitig hapert es besonders im Freistaat an der Windkraft. Almut Kirchner: „Die brauchen wir aber auch in Bayern für das Erzeugungsprofil, gerade im Winter.“ Bertram Brossardt ergänzt: „Ich appelliere an die Bevölkerung, der Windkraft gegenüber offener zu sein.“ In ganz Deutschland wurde etwas weniger zugebaut als im Vorjahr. Bei den Genehmigungszeiten habe sich aber einiges getan, heißt es seitens der Prognos. Konkret ist die Zahl der genehmigten Windkraftleistung zwischen 2023 und 2024 um fast 90 Prozent gestiegen, wie die Bundesnetzagentur berichtet. Insgesamt ist der Stromsektor in Sachen Klimabilanz vorbildlich. Besonders kritisch sehen die Analysten von Prognos dagegen den Gebäudebestand, wo sich quasi nichts getan hat.

■ Sicherheit

Deutschland hat mit das ausfallsicherste Stromsystem der Welt. Nur 10,8 Minuten fiel der Strom 2022 im Schnitt aus, halb so lang wie in Frankreich. Auch 2023 lag der Wert nur unwesentlich höher. Durch den nahenden Kohleausstieg brauche Deutschland aber Gaskraftwerke, die auf Wasserstoff umgerüstet werden können, sagte Brossardt. Das sei eine Priorität für die neue Regierung. Robert Habeck (Grüne) hatte für ein entsprechendes Gesetz keine Mehrheit mehr bekommen. Erfreulich sei das sprunghafte Wachstum der Batteriespeicher. Almut Kirchner: „Da sehen wir eine ähnliche Lernkurve wie bei Solaranlagen.“

■ Kosten

Hier sieht die vbw rot. Die Stromkosten lägen weit über dem Vorkrisenniveau und vor allem den Preisen in den USA, dem wichtigsten Ziel für bayerische Investitionen. Für Brossardt ist klar: ZDer Staat die Stromsteuern für alle Betriebe auf das europäische Mindestmaß senken und die Kosten für die energieintensive Industrie über einen Brückenstrompreis subventionieren, solange das System umgebaut wird. „Eine Brücke hat einen Anfang und ein Ende“, betonte Brossardt. Er verweist auf Frankreich, wo die Strompreise 30 Prozent niedriger wären als in Deutschland. „Weil sie dauerhaft subventioniert sind“, warf Almut Kirchner ein. Eine Rückkehr zur Kernspaltung wünscht sich die vbw im Gegensatz zur CDU nicht.

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