Dax-Rekord dank Rüstungs-Boom

von Redaktion

München – US-Präsident Donald Trump demütigt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras, die militärische Unterstützung der USA im Krieg mit Russland steht auf der Kippe, seit Freitag steht Europa unter Zugzwang. Medienberichten zufolge will Unions-Wahlsieger Friedrich Merz (CDU) im Eiltempo ein Sondervermögen für die Bundeswehr durch den Bundestag drücken, auch bei den europäischen Nato-Staaten könnten die Verteidigungsausgaben nach den jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten weiter steigen. Diese Gemengelage beflügelt offenbar die Phantasie der Anleger an den Börsen.

Mit einem Tagesplus von zeitweise 28 Prozent waren Papiere des Rüstungskonzerns Hensoldt gestern Nachmittag unangefochtener Spitzenreiter im MDax. Auch im Dax führten Rüstungs-Papiere das Feld an. Aktien von Rheinmetall wurden am Nachmittag mit fast 1200 Euro gehandelt – ein Kurs-plus von 13 Prozent. Bereits am Donnerstag – also noch einen Tag vor dem Eklat im Weißen Haus – hatte Morgan Stanley das Kursziel für Rheinmetall-Aktien von zuvor 900 Euro auf 1300 Euro erhöht. Auch Papiere von Airbus, Lieferant etlicher Nato-Armeen, legten gestern kräftig zu. Die Rüstungs-Branche zog den deutschen Leitindex insgesamt nach oben – erstmals in seiner Geschichte übersprang der Dax gestern die Marke von 23 000 Punkten.

Grund für den Rekord war aber auch die starke Nachfrage nach Papieren deutscher Autobauer: Angesichts drohender CO2-Strafen will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Autobauern mehr Zeit einräumen, um EU-Vorgaben einzuhalten (siehe Artikel unten).

Der US-Autobauer Tesla kämpft dagegen mit Problemen ganz anderer Art – offenbar eine indirekte Folge des Regierungswechsels in den USA: Tesla-Chef Elon Musk zählt zu Trumps engstem Beraterkreis, in Europa fiel Musk zuletzt durch die Unterstützung extrem rechter Parteien wie der AfD auf, auch eine als Hitlergruß wahrgenommene Geste sorgte für Empörung. Dann folgte die Veröffentlichung der Neuzulassungen in Europa: Demnach sind die Autoverkäufe von Tesla auf dem Kontinent im Januar um fast die Hälfte eingebrochen. Der Aktienkurs ging in die Knie, seit ihrem Höchststand Ende 2024 haben Tesla-Papiere 40 Prozent ihres Wertes verloren, nachdem sie von Trumps Wahlsieg zunächst massiv profitiert hatten.

Inwieweit zwischen Musks Auftreten und den europäischen Tesla-Zulassungen ein direkter Zusammenhang besteht, bleibt dennoch unklar, schließlich kämpft Tesla auch mit Konkurrenz aus China. Analysten äußerten sich vergangene Woche aber eindeutig: „Die größte Herausforderung für Tesla im Jahr 2025 ist nicht die Technologie, sondern die öffentliche Wahrnehmung“, sagte Jacob Falkencrone von der dänischen Bank Saxo gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Elon Musk wird zum Ballast für die Verkäufe, die Markentreue und das Vertrauen der Anleger.“

Kapriolen gibt es auch an den Kryptobörsen – auch hier hat US-Präsident Trump seine Finger im Spiel. Trump hatte am Sonntag angekündigt, Kryptowährungen könnten zur strategischen Währungsreserve der USA hinzugefügt werden – neben Bitcoin und Ethereum sollen auch XRP, Solana und Cardano dazu zählen. Die Kurse zogen gestern an. Am Montagmittag war der Bitcoin 91 600 Dollar (knapp 87 650 Euro) wert – fast neun Prozent mehr als am Freitag. In den Wochen nach Trumps Amtsantritt war die angekündigte Unterstützung für den Kryptosektor noch ausgeblieben, der Bitcoin-Kurs sackte ab. Unmittelbar nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten hatte die Digitalwährung ihren Höchststand erreicht.
MIT MATERIAL VON AFP

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