Mit dem Atomabkommen wurde Sarif bekannt. © dpa
Teheran – Nach der Absetzung des iranischen Wirtschaftsministers ist der einflussreiche Vizepräsident Mohammed-Dschawad Sarif (65) zurückgetreten. Wie staatliche Medien berichteten, reichte Sarif sein Rücktritt bei Präsident Massud Peseschkian ein.
Sarif erklärte, er werde an die Universität zurückkehren. „Ich war und bin keiner, der vor Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Pflicht zur Heimat flieht“, betonte Sarif. „Ich wollte immer eine Stütze sein, keine Last“, teilte er mit Blick auf seine Regierungsarbeit mit. Zudem sei er in den vergangenen Monaten „mit den schrecklichsten Beleidigungen, Verleumdungen und Drohungen gegen mich und meine Familie konfrontiert worden“. Er habe „die bitterste Zeit“ seiner 40-jährigen politischen Karriere durchgemacht. International bekannt wurde Sarif bei den Verhandlungen über das Atomabkommen 2015.
Sarifs Entscheidung folgt auf die Absetzung des moderaten Ministers und früheren Zentralbankchefs Abdolnasser Hemmati. 182 von 273 Abgeordneten des von konservativen Hardlinern dominierten Parlaments hatten Hemmati am Sonntag das Vertrauen entzogen. Beobachter werten den Schritt als schweren Schlag für den moderat-konservativen Präsidenten Peseschkian, der erst seit rund sieben Monaten im Amt ist. Dem Misstrauensvotum vorausgegangen war ein Streit über die seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise und die hohe Inflation. Zuletzt hatte die Landeswährung, der Rial, enorm an Wert verloren.
Bereits kurz nach der Regierungsbildung 2024 hatte Sarif seinen Posten nach nur elf Tagen im Amt geräumt. Grund waren Differenzen mit Präsident Peseschkian über dessen konservatives Kabinett. Wenig kehrte er wieder zurück.