Berlin – Fehlende Kinderbetreuung, ein dichter Bürokratiedschungel und eine unsichere Aufenthaltsperspektive sind für Flüchtlinge aus der Ukraine große Hindernisse bei ihrer Integration in Deutschland. Das geht aus Untersuchungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Die psychische Belastung sei unter den rund 1,2 Millionen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine insgesamt höher als in der Gesamtbevölkerung – wohl auch aufgrund von Kriegs- und Fluchterfahrung sowie unsicherer Zukunftsperspektiven.
Die Beschäftigungsquote lag für alle ukrainischen Staatsangehörigen im November den Angaben zufolge bei 31,7 Prozent und damit 6,6 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Arbeitslos gemeldet waren laut Bundesagentur für Arbeit im Januar rund 211 000 Ukrainerinnen und Ukrainer. Laut Arbeitsagentur besuchten 98 000 ukrainische Staatsbürger im Januar einen Integrationskurs. Ein Hindernis für die mehrheitlich weiblichen Ukraine-Flüchtlinge, die eine Arbeitsaufnahme anstreben, ist den Angaben zufolge das Fehlen von Angeboten der institutionellen Kinderbetreuung. Häufig genannt wurden auch Probleme bei der Arbeitssuche und der Anerkennung von Berufsabschlüssen.
Bei einer repräsentativen Befragung ukrainischer Geflüchteter zwischen Sommer 2023 und Januar 2024 gab über die Hälfte an, dauerhaft in Deutschland bleiben zu wollen. Von den Ukraine-Flüchtlingen, die zwischen Ende Februar und Ende Mai 2022 gekommen waren, sagten demnach knapp 60 Prozent, dauerhaft bleiben zu wollen. Von denjenigen, die später kamen, strebten 69 Prozent einen dauerhaften Aufenthalt an.
Nataliia Lichkonenko, die 2022 selbst nach Deutschland geflüchtet war und sich in einem Projekt für geflüchtete Frauen engagiert, sagte, der durch den Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 ausgelöste Schock sitze bei ihr und vielen Landsleuten tief, was langfristige Lebensplanung erschwere. Bei der Befragung zwischen Sommer 2023 und Januar 2024 gaben 90 Prozent der Geflüchteten an, ihre Rückkehrpläne hingen stark vom Ende des Krieges ab. 60 Prozent nannten als wichtiges Kriterium die Wirschaftslage der Ukraine.