Zölle treffen auch US-Bürger

von Redaktion

Der Welthandel gerät – ausgehend von den USA – unter Druck. © IMAGO/Deccio Serrano

München – Zunächst hatte Donald Trump die Zölle gegen Mexiko und Kanada noch ausgesetzt, jetzt treten sie in Kraft. Was man dazu wissen muss:

Welche Zölle sind verhängt worden?

Seit gestern gelten für Exporte aus Kanada und Mexiko in die USA Strafabgaben von 25 Prozent. Zudem hat Trump angekündigt, ab sofort die im Februar angeordneten Importzölle auf Waren aus China auf 20 Prozent zu verdoppeln. Kanada hat seinerseits umgehend Zölle in Höhe von 25 Prozent auf US-Waren im Wert von 30 Milliarden angekündigt. Nach 21 Tagen werde dieser Betrag auf 155 Milliarden Dollar erhöht. China kündigte Gegenzölle auf Agrarprodukte und weitere Maßnahmen gegen US-Firmen an. Ab dem 10. März sollen zusätzliche Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Hühnerfleisch, Weizen, Mais und Baumwolle aus den USA erhoben werden, auf andere landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen, Schweine- und Rindfleisch zehn Prozent.

Was bedeutet das für Deutschland?

Zunächst treffen die verhängten Zölle Deutschland nur indirekt: Die Ökonomin Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hält auf Basis von Modellrechnungen bereits bei den aktuell verhängten Auflagen eine weltweit um 0,4 Prozent abgesenkte Wirtschaftsleistung für möglich. Das handelsoffene Deutschland müsse daher bereits im Jahr 2026 mit einem um 0,4 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukt rechnen. Die angekündigten Stahl- und Aluminiumzölle sowie weitere, bereits von Donald Trump angedrohte Zölle könnten die hiesige Industrie noch härter treffen.

Für die deutsche Automobilindustrie sind die höheren Zölle auf Importe aus Mexiko besonders schädlich, da sie vielfach Produktionsstandorte in Mexiko hat, sagt Sultan. „Autos und Autoteile überqueren teils mehrfach die Grenzen, bevor sie fertiggestellt sind. Diese Lieferketten stehen durch die Zollerhöhungen infrage.“ Dieses Problem sieht man auch beim Münchner Ifo-Institut. Allerdings nennt man dort auch einen potenziell positiven Effekt: Deutsche Unternehmen könnten davon profitieren, wenn sich Nachfrage zu ihnen hin verschiebt, weil die Konkurrenz aus Kanada, Mexiko und China in den USA durch die Zölle teurer wird. Das gilt aber natürlich nur, solange es nicht auch zusätzliche Zölle auf europäische Waren gibt.

Was bedeuten die Zölle für die USA selbst?

Dorothee Hillrichs vom Ifo-Institut geht davon aus, dass die Zölle die Inflation in den USA treiben, unter anderem weil Zwischenprodukte für US-Hersteller teurer werden. Außerdem könnten gerade Lebensmittelpreise steigen, was vor allem ärmere Haushalte treffen würde. Modellrechnungen des Ifo gehen zwar davon aus, dass Export und Industrie in Kanada und Mexiko stärker getroffen werden als in den USA, auch diese bleiben aber nicht verschont. Die IW-Expertin Sultan erklärt, eine Rückverlagerung von Produktion in die USA würde wegen der höheren Kosten dort unweigerlich die Inflation treiben, Konsumenten müssten mehr zahlen. Außerdem sind die USA auf Rohstoffimporte angewiesen. Dazu kommt, dass auch US-Konzerne, wie etwa General Motors oder Ford, große Standorte in Mexiko unterhalten. Auch sie sind von den Zöllen betroffen.

Welche Möglichkeiten hätte die EU im Falle von Zöllen?

Auch gegenüber Europa hat Trump immer wieder mit hohen Zöllen gedroht. Sollten sie kommen, hat die EU bereits zügige Gegenmaßnahmen angekündigt. In der ersten Amtszeit Trumps hatte die EU neue Abgaben auf Stahl- und Aluminiumprodukte aus Europa unter anderem mit Sonderzöllen auf Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder und Jeans gekontert.

Da Trump Zölle einsetze, um Ziele außerhalb der Wirtschaft zu erreichen, sei es denkbar, dass die EU ebenfalls andere Maßnahmen in den Raum stelle, sagt Hillrichs vom Ifo. So drohe China damit, weniger Einsatz im Anti-Drogenkampf zu zeigen. Grundsätzlich sei es bei Gegenmaßnahmen aber entscheidend, nicht wichtige Zwischenprodukte zu verteuern und keine Zölle auf Produkte zu setzen, die nicht auch aus anderen Ländern als den USA bezogen werden können.

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