Vorerst doch keine Zölle auf Autos aus Kanada

von Redaktion

Trotz einer ersten Annäherung bleiben die Beziehungen zwischen Kanada und den USA auf einem Tiefpunkt. © IMAGO

Washington – US-Präsident Donald Trump hat Autos aus den Nachbarländern Kanada und Mexiko zumindest vorübergehend von seinen Einfuhrzöllen ausgenommen. Die Regierung habe nach Gesprächen mit den großen Automobilunternehmen Ford, General Motors und Stellantis einen einmonatigen Aufschub beschlossen, sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt. Die Aussichten auf eine breitere Einigung mit den beiden Nachbarstaaten besserten sich jedoch kaum.

Die Autoindustrie in den USA, Mexiko und Kanada ist auch wegen jahrzehntelanger Freihandelsabsprachen stark grenzüberschreitend organisiert. Die plötzlich von Trump eingeführten Zölle von 25 Prozent auf Importe aus den Nachbarstaaten treffen die Unternehmen hart. Die drei großen Hersteller hätten nun um eine Ausnahme gebeten, „und der Präsident ist gerne bereit, sie zu erfüllen“, sagte Leavitt.

Ein Telefonat von Trump mit Kanadas Regierungschef Justin Trudeau brachte keine Annäherung. „Das Gespräch endete „einigermaßen freundlich“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Trudeau habe ihn angerufen und gefragt, was sich bei den Zöllen machen lasse. Der US-Präsident habe ihm erklärt, dass viele Menschen durch Fentanyl gestorben seien, das über die Grenzen Kanadas und Mexikos geschmuggelt werde. Nach übereinstimmenden Angaben der kanadischen und der US-Behörden kommt weniger als ein Prozent des Fentanyls in den USA aus Kanada.

Kanada hatte auf die US-Zölle umgehend mit Gegenzöllen reagiert. Zudem richten sich eine ganze Reihe von Maßnahmen auf Ebene der kanadischen Provinzen gegen den südlichen Nachbar. Beispielsweise stellten mehrere kanadische Provinzverwaltungen, bei denen das Monopol für den Alkoholhandel liegt, ihre US-Getränkeimporte ein.

Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum will ebenfalls eigene Zölle und weitere noch nicht genannte Maßnahmen erlassen. Mexiko werde sich zudem nach „anderen Handelspartnern“ umsehen, sagte Sheinbaum. Auch China will den USA handelspolitisch die Stirn bieten. „Wenn die USA diesen falschen Weg weitergehen, dann werden wir bis zum Ende kämpfen“, sagte der chinesische Handelsminister Wang Wentao gestern in Peking. Bei der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses stellten sich die Volksvertreter jedoch auch auf schwierige Zeiten ein und kündigten höhere Staatsausgaben und niedrigere Zinsen an.

In der Zwischenzeit verdichten sich die Anzeichen, dass Trumps Zölle die Inflation in den USA anheizen. Der Präsident hatte eingestanden, dass seine Handelspolitik gewisse Folgen auch für US-Verbraucher haben werde.
AFP/DPA/MM

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