Zwei Republikaner, die nicht harmonieren: US-Präsident Donald Trump wäre US-Notenbank-Chef Jerome Powell (rechts im Bild) am liebsten los. © SAUL LOEB / AFP
New York – Die US-Aktienmärkte sind nach einer neuen Attacke von Präsident Donald Trump auf Notenbankchef Jerome Powell deutlich unter Druck geraten. Trump forderte abermals eine Zinssenkung und bezeichnete Powell als „Mr. Zu Spät“ sowie einen „großen Loser“. Schon in der Vorwoche schrieb Trump: „Powells Entlassung kann nicht schnell genug kommen!“
Powell will die Zinsen wegen Inflationsrisiken nach Trumps Zoll-Rundumschlag vorerst nicht senken. Ökonomen warnen zugleich, dass eine Folge des Handelskonflikts ein langsameres Wirtschaftswachstum oder gar eine Rezession in den USA sein können. Niedrigere Zinsen könnten unterdessen die Inflation beschleunigen.
Trump behauptete, es gebe derzeit so gut wie keine Inflation und das Ausbleiben einer Zinssenkung könne die Wirtschaft abbremsen. Experten befürchten allerdings einen Inflationsschub, wenn Unternehmen die höheren Kosten durch Trumps Zölle an die Verbraucher weiterreichen sollten.
Die Sorge, dass Trump versuchen könnte, Powell aus dem Amt zu drängen, befeuerte aufs Neue den Rückzug der Anleger aus dem US-Aktienmarkt. Der Dow Jones Industrial schloss 2,48 Prozent tiefer auf 38 170,41 Punkte. Der Nasdaq 100 sank um 2,46 Prozent auf 17 808,30 Zähler. Beim S&P 500 belief sich das Minus auf 2,4 Prozent. Am Dienstag gab es dann zwar eine Gegenbewegung, aber die Nervosität bleibt groß.
Anleger flüchteten verstärkt in Gold: Der Preis pro Feinunze riss kurzzeitig sogar die Marke von 3500 US-Dollar – ein Allzeithoch. „Gold ist der einzige echte sichere Hafen, seit der Dollar angeschlagen ist und US-Staatsanleihen fallen“, erklärtet Neil Wilson von der Saxobank. Seit Januar verteuerte sich Gold um mehr als 33 Prozent. Der US-Dollar rauscht derweil in die Tiefe: Gestern notierte er gegenüber dem Euro so schwach wie seit drei Jahren nicht.
Bereits am Freitag hatte Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett gesagt, der Präsident prüfe, ob er Powell entlassen könne. Dessen Amtszeit an der Spitze der Notenbank Federal Reserve läuft bis Mai 2026. „Sollte Powell entlassen werden, wäre die erste Reaktion ein enormer Schub an Volatilität auf den Finanzmärkten und die dramatischste Flucht aus US-Anlagen, die man sich vorstellen kann“, erklärte Michael Brown vom Online-Broker Pepperstone. „Die Aktienkurse würden deutlich sinken, die Staatsanleihen auf breiter Front verkauft werden und der Dollar abstürzen.“
Ein US-Präsident kann einen Zentralbankchef nach einem Urteil des Obersten Gerichts aus den 30er-Jahren nicht grundlos entlassen. Trump ließ seine Anwälte aber bereits beantragen, dass das Gericht diesen Präzedenzfall aus der Roosevelt-Zeit aufheben sollte.
Immerhin, ein wenig Hoffnung gibt es im Konflikt mit China: Trump glaubt, dass die USA in Bezug auf ein mögliches Handelsabkommen mit China vorankommen. Das sagte seine Sprecherin. Auch US-Finanzminister Scott Bessent erklärte bei einem internen Treffen mit Investoren, er glaube an eine baldige Deeskalation.