Das deutsche Netz ist so gebaut, dass jede Leitung durch eine andere ersetzt werden könnte, heißt es von der Bundesnetzagentur. Das verhindere Ausfälle. © IMAGO/Jochen Tack
Madrid – Am Montag ist das Stromnetz in Spanien und Portugal flächendeckend zusammengebrochen. Einige Schwankungen erreichten sogar das deutsche Netz. Die Frage ist: Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in Deutschland?
Zum Grundsätzlichen: Die Ursachenforschung läuft auf Hochtouren, die Gerüchteküche ist heiß. Berichte, nach denen extreme Temperaturschwankungen in Spanien oder ein Cyberangriff den Blackout verursacht haben könnten, dementierten die zuständigen Netzbetreiber zunächst. In Spanien hat derweil die Justiz Ermittlungen aufgenommen. Relativ sicher ist: Der Stromausfall hatte nichts mit Kraftwerksleistung zu tun. Denn laut der spanischen Regierung sind innerhalb von fünf Sekunden 15 Gigawatt Leistung „verschwunden“. Das entspricht der Kraft von 10 großen Atomreaktoren. Ein so kapitaler Kraftwerksausfall ist extrem unwahrscheinlich und wäre leicht erklärbar. Nach Angaben des spanischen Netzbetreibers REE habe die Panne mit einer „starken Schwankung des Spannungsflusses“ im Stromnetz begonnen, begleitet von einem „sehr bedeutenden Rückgang“ der Stromerzeugung. Dies habe eine Abkopplung des Stromsystems der iberischen Halbinsel vom Rest der EU zur Folge gehabt und als Konsequenz einen „Zusammenbruch“ der Stromversorgung auf dem spanischen Festland innerhalb von nur fünf Sekunden. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die Kraftwerke, insbesondere die Atomkraftwerke, ihre Stromproduktion einstellten.
Der beispiellose Knall im spanischen Netz war über Frankreich sogar in Deutschland zu spüren. Die Netzbetreiber hatten aber keine Probleme, die Schwankungen auszuregeln. Hier sei Deutschland gut gerüstet, erklärte der Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller der ARD: „Ein großflächiger, langanhaltender Blackout ist in Deutschland unwahrscheinlich“. Denn das deutsche Netz sei nach der N-1-Regel gebaut. Das bedeutet: Jede Leitung kann im Zweifel durch eine andere ersetzt werden. „Und das hat uns in den ganzen letzten Jahren, Jahrzehnten zu einem sehr sicheren Netz verholfen.“
Dazu kommt: Deutschland hat, wie Spanien, eine Flotte an schwarzstartfähigen Kraftwerken. Dazu gehören unter anderem Wasserkraftwerke, die ohne Netzstrom angefahren werden können und helfen, die Spannung im Netz wieder aufzubauen. Auch der für Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet beruhigt: „Mit einer Netzverfügbarkeit von über 99,9 Prozent betreiben wir weltweit eines der sichersten Stromnetze“, so ein Sprecher. Deutschland habe dabei das sicherste Netz in Europa. „Im Falle, dass eine Lastunterdeckung droht, sprich die Nachfrage nicht mehr bedient werden kann, setzen die ÜNB eine Reihe von Maßnahmen ein, unter anderem die Aktivierung von Reserven im europäischen Ausland.“
Zudem hat Deutschland genug Kapazitäten, sich selbst zu versorgen. Die Bundesnetzagentur prüft regelmäßig, ob genug steuerbare Kraftwerke am Netz sind. Selbst wenn Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich sind, dürfen sie nicht abgebaut werden, sofern sie noch für Notfälle gebraucht werden könnten. Sie verbleiben in der Reserve und werden aktiviert, sobald es nötig wird. Kritische Anlagen, wie etwa Krankenhäuser, verfügen darüber hinaus über Notstromaggregate oder Batterien, die bei einem Netzausfall liefern können.