Betriebe verlieren Vertrauen

von Redaktion

Der Absatzmarkt USA wird schwierig. Im Vergleich der Supermächte schwenkt das Pendel Richtung China, ergibt eine IHK-Umfrage. © lars penning, dpa

München – Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag sieht eine Wende der Unternehmen von den USA in Richtung China und Europa. Offensichtlich richte sich die Wirtschaft als Reaktion auf die Zollpolitik der Vereinigten Staaten auf neue Partner aus, schlussfolgert der BIKH aus einer Umfrage unter 900 Unternehmen im Freistaat. „Nach den Zoll-Eskapaden der ersten 100 Tage sind die USA nur noch für jedes siebte Unternehmen ein verlässlicher Handelspartner“, sagt Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Dieser Wert markiert einen bis vor Kurzem kaum vorstellbaren Tiefpunkt.“

Zudem erwarten nur noch 26 Prozent bessere oder gleichbleibende Beziehungen zu den USA. In Bezug auf China sind es dagegen inzwischen 64 Prozent – deutlich mehr als vor der US-Wahl, als der Wert noch bei rund 40 Prozent lag. „Im Vergleich der globalen Supermächte USA und China schwingt das Pendel nun eindeutig Richtung China“, heißt es von der BIHK.

■ Europa attraktiver

Am wichtigsten bleibt allerdings der Heimatkontinent. Gefragt, welche Auslandsmärkte aufgrund der US-Politik attraktiver werden, nannten 73 Prozent die Eurozone, 42 Prozent andere europäische Länder und 24 Prozent den Asien-Pazifik-Raum.

Die meisten Unternehmen halten aber an ihrem Engagement in den USA fest. Zwölf Prozent planen allerdings, ihr Geschäft zu reduzieren, fünf Prozent wollen es vertiefen. Angesichts der aktuell großen Unsicherheit könne allerdings rund ein Viertel derzeit noch keine Angaben dazu machen.

■ China gesprächsbereit

Derweil gibt es jedoch auch Zeichen für eine Entspannung der Lage. China hat erklärt, man prüfe ein Angebot der US-Regierung über Gespräche. US-Präsident Donald Trump fährt seit Beginn seiner zweiten Amtszeit vor gut hundert Tagen einen harten Kurs gegen China. Die von ihm verhängten Zölle gegen summieren sich auf 145 Prozent. China verhängte Gegenzölle von 125 Prozent auf US-Importe. Bitter wurde die Lage vor allem für chinesische Online-Händler wie Shein und Temu: In den USA gilt ab sofort ein Aufschlag für kleine Paketsendungen aus China von 90 Prozent, bislang waren es 30 Prozent. Dieser neue Zollsatz gilt für Sendungen unter 800 Dollar.

■ EU will mehr kaufen

Die EU erwägt indes, der Regierung von US-Präsident Donald Trump ein Angebot in Milliardenhöhe vorzulegen. „Wenn das Defizit 50 Milliarden Euro beträgt, können wir dieses Problem meiner Meinung nach sehr schnell durch den Kauf von Flüssigerdgas (LNG), durch landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen oder andere Bereiche lösen“, sagte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic der „Financial Times“. Einen ähnlichen Vorschlag hatte Donald Trump zuvor gemacht. Ein offizielles Angebot an die US-Seite gibt es bisher allerdings nicht, wie ein Sprecher der EU-Kommission sagte.

■ Faires Abkommen als Ziel

In den Gesprächen über ein Abkommen seien mit der US-Seite „gewisse Fortschritte“ erzielt worden, sagte Sefcovic. Er habe weiterhin den „Ehrgeiz“, ein „ausgeglichenes und faires“ Abkommen mit Washington zu erreichen. US-Präsident Trump hat das Handelsdefizit seines Landes mit der EU auf mehrere hundert Milliarden Dollar pro Jahr beziffert und Zölle von 25 Prozent auf in der EU hergestellte Autos, Aluminium und Stahl erhoben. Für weitere Waren gilt ein Zollsatz von zehn Prozent. Diesen Aufschlag werde die Europäische Union nicht akzeptieren, sagte der EU-Kommissar, der die Verhandlungen mit den USA anführt. Auch einen Basiszoll von zehn Prozent werden die EU-Vertreter als „sehr hohes“ Niveau betrachten. Sefcovic warnte in der „Financial Times“ bereits im Vorfeld, es werde „sehr schwer“ werden, ein Abkommen zu erreichen, das „gut und akzeptabel für unsere Mitgliedstaaten und unser Europäisches Parlament ist“.

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