Linda Krupp (li.) und Juliane Peters teilen sich die Führung im Bereich Diversity & Inclusion bei MAN. © Astrid Schmidhuber
München – Sich einen Job teilen: Geht das? Ja, sagt der Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN. Seit 2024 bietet er Mitarbeitern Jobsharing an. Eines der Teams: Juliane Peters und Linda Krupp, die sich seit etwa einem Jahr die Position als Abteilungsleitung im Personalmanagement teilen. Dort befassen sich die beiden mit der Etablierung von mehr Vielfalt in der Belegschaft. Für die Frauen, beide verheiratet mit Familie, geht es dabei auch um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Doch sie sind nicht das einzige Jobtandem im Konzern.
Frau Peters, Frau Krupp, Sie beide teilen sich einen Job. Wie kam es dazu und wie muss man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?
Juliane Peters: Linda war zuvor bereits in einer Führungsposition. Unser Anliegen war es, mithilfe dieses Modells die Vereinbarkeit zwischen Familien- und Berufsleben zu verbessern. Wir arbeiten beide jeweils etwa 30 Stunden pro Woche, verteilt auf fünf Tage. So ist immer eine von uns beiden verfügbar und alle Zeiten sind abgedeckt. Linda Krupp: Juliane und ich wurden von einem Kollegen aus der Personalabteilung zusammengebracht. Wir mögen uns und wir teilen die gleichen Werte. Ein gutes, starkes Team zu sein, das ist im Jobsharing-Modell ausschlaggebend. Zudem profitieren wir von unseren unterschiedlichen Netzwerken, Kompetenzen und Erfahrungen. Juliane und ich haben für uns jeweils Fokusthemen festgelegt, sodass jede ihre Stärken ausspielen kann.
Ist Job-Sharing ein reines Modell für Frauen?
Linda Krupp: Das Modell wird überwiegend von Frauen genutzt, es steht aber natürlich auch Männern offen. Wir haben zum Beispiel in der Produktion einen Mann, der sich seinen Job mit einer Frau teilt. Bei MAN gibt es bisher etwa zehn Jobsharing-Tandems. Eine gute Bilanz, wenn man bedenkt, dass das Modell erst vor etwas mehr als einem Jahr eingeführt wurde. Außerdem bieten wir jetzt in München auch Ausbildung in Teilzeit an. Das wird ebenfalls angenommen.
Sie teilen sich eine Führungsposition. Wie ist das für Ihre Mitarbeiter?
Juliane Peters: Ruht ein Job auf nur einer Person, ist die bei Urlaub, Krankheiten oder anderen Abwesenheiten für ihr Team nicht so leicht zu erreichen. Von uns beiden ist dagegen fast immer jemand greifbar. Wir versuchen dabei, immer auf dem gleichen Stand zu sein, sodass wir uns gegenseitig bei allen Themen gut vertreten können.
Ist Jobsharing auch aus Unternehmenssicht ein Gewinn? Lohnt es sich also für eine Firma, so etwas anzubieten?
Juliane Peters: Für Unternehmen ist Jobsharing schon allein wegen der Mitarbeiterbindung attraktiv. Und es bringt mehr Frauen und damit mehr Diversität in die Führungsebene. Das ist wichtig, denn so steigt nachgewiesenermaßen die Innovationsfähigkeit des gesamten Unternehmens.
Und für Sie selbst?
Linda Krupp: Das Jobsharing-Modell bringt einen so viel weiter. Man hat die Möglichkeit, den eigenen Führungsstil zu verfeinern und voneinander zu lernen. Das Modell unterstützt auf diese Weise auch die persönliche Entwicklung und die Teamfähigkeit.
Wie hat sich Jobsharing auf Sie beide ausgewirkt?
Linda Krupp: Meine Lebensqualität hat sich verbessert – nicht nur privat, sondern auch beruflich. Man kann so für die Familie da sein und trotzdem im Job Vollgas geben. Wir sprechen täglich miteinander, daher profitieren wir auch gegenseitig von unserem Wissen.
Aber es ist sicher nicht immer nur alles super.
Juliane Peters: Sich ständig gegenseitig auf dem Laufenden zu halten kostet Zeit.