Die D328eco wird das derzeit einzige in Deutschland gebaute und entwickelte Verkehrsflugzeug.
Oberpfaffenhofen – Die scherzhafte Anspielung auf Donald Trumps geschenktes Flugzeug konnte sich Markus Söder nicht verkneifen: „Wär doch was für uns Hubert“, sagte er in Richtung seines Wirtschaftsministers. Nein, so schnell wird aus der D328eco keine Bavaria One.
Das Flugzeug, für das am Mittwoch am Sonderflughafen Oberpfaffenhofen bei der Deutschen Aircraft der Roll-out gefeiert wurde, ist das erste flugtaugliche Exemplar einer in der Welt der Luftfahrt einmaligen Wiederbelebung. Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, als die letzte neu gebaute Do328 die Werkshallen in Oberpfaffenhofen verlassen hatte. Und jetzt ein neues altes Flugzeug, das den Anspruch erhebt, das derzeit zukunftsweisendste Verkehrsflugzeug der Welt zu sein?
Einiges spricht dafür, dass es so ist: Schon 1993 war das Flugzeug seiner Zeit weit voraus. Etwa beim Einsatz von Faserverbundstoffen oder einer völlig neuentwickelten Flügelproduktion. Und dieses Flugzeug wurde nicht nur um zwei Meter verlängert, was einen Zuwachs von zehn Sitzen ermöglicht. Es wurde bei vielen Schlüsseltechnologien auf den aktuell möglichen Stand gebracht.
So bei den Triebwerken: Der Umstieg von Propeller auf Düsenantrieb wurde rückgängig gemacht. Die Turboproptriebwerke liefert Pratt & Whitney aus Kanada. Sie sind deutlich sparsamer als die früheren Motoren. Damit steigt die Reichweite. Das Flugzeug wird auch schneller, und es kann noch besser steigen. In zehn Minuten bis auf 30000 Fuß (das sind 9144 Meter über dem Meer) verspricht der fürs operative Geschäft verantwortliche Manager Olaf Lawrenz. Das wäre ein so heftiger Steigflug, dass man ihn Passagieren besser erspart.
Wichtiger aber. Die D328eco wird das erste Verkehrsflugzeug weltweit sein, das ohne fossiles CO2 geflogen werden kann. Es verträgt synthetischen Treibstoff. Aber auch Kerosin und jedes Mischungsverhältnis der beiden Spritsorten.
Wie lang die Start- und Landebahn sein muss, wird sich erst herausstellen. So etwas wird in der Fliegerei nicht errechnet, sondern erflogen. Für den Anfang sind es sicherheitshalber 1200 Meter. Lawrenz hofft, diese Strecke auf 800 Meter verkürzen zu können. Dann könnte die D328eco auf kleinen und kleinsten Flugplätzen landen und starten, was das Einsatzspektrum deutlich erweitern würde. Ohnehin braucht es keine asphaltierte Piste. Jeder ebene und halbwegs feste Untergrund reicht aus, das Flugzeug sicher zu Boden zu bringen.
Und dann wird auch die Avionik auf den neuesten Stand gebracht. Ein vollkommen neues Glascockpit von Garmin aus den USA kommt erstmals überhaupt zum Einsatz. Das Flugzeug soll als erstes in dieser Größenklasse von nur einem Piloten geflogen werden können. Im Passagierbetrieb ist das nicht möglich. Doch Lawrenz, hat viele Einsatzzwecke im Auge: Such- und Rettungsdienste, Hilfe bei Katastrophenfällen, Feuerbekämpfung sind nur einige Möglichkeiten. Auch beim Militär hat sich die Do328 bereits bewährt. Die US-Streitkräfte sind der größte Flottenbetreiber des Flugzeugs.
Von einer Reise mit Innovation und Kooperation sprach Co-Geschäftsführer Nico Neumann über die Weiterentwicklung der Do328. „Wir haben jetzt allen Grund zu feiern. Der Markt wartet auf uns jetzt müssen wir liefern. Wir bringen den deutschen Flugzeugbau wieder heim.“ Wobei heim künftig mindestens zwei Standorte sind. In Leipzig entsteht die weltweit moderneste Produktionslinie für die Endmontage der D328eco. Unternehmensleitung, Entwicklung und auch die Wartung bleiben in Oberpfaffenhofen.