Siemens präsentiert „Ferrari des Güterverkehrs“

von Redaktion

Vectron MS von Siemens auf der Messe Transport Logistic in München. © Siemens Mobility

München – Es ist der neue Stolz aus dem Lokomotivwerk von Siemens in München-Allach: Die Lokomotive Vectron MS. Von außen sieht die Lokomotive aus wie jede andere Vectron auch, seit 2010 wird das Fahrzeug in verschiedensten Ausführungen gebaut. Die Besonderheit der neuen Vectron MS: Im Innern des 90-Tonnen-Kollosses ist eine Technologie verbaut, die den grenzüberschreitenden Schienenverkehr in Europa ermöglichen soll. Fahrten von Deutschland über Österreich nach Italien sollen ohne zeitraubenden Lokwechsel am Brenner möglich sein. Ob durch die Oberleitung Wechselstrom oder Gleichstrom fließt, spielt keine Rolle – MS steht für den „Mehrsystemeinsatz“. Siemens-Mobility-Chef Karl Blaim sprach am Dienstag vom „Ferrari des Güterverkehrs“ – nur sei die Vectron mit 8700 PS deutlich stärker.

Auf der Messe Transport Lo-gistic in München übergab Siemens im Beisein von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) die erste Vectron MS an einen Kunden. Zugelassen ist die neue Lok für Fahrten in Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Kroatien und Serbien. Die Lokomotive sei ein „Symbol für das vereinte Europa“, sagte Blaim.

Noch schneller könnten Güter in Zukunft über die Alpen transportiert werden, sofern 2032 der Brennerbasistunnel seinen Betrieb aufnimmt. Engstelle bliebe dann noch die Strecke von Innsbruck nach München, der Brenner-Nordzulauf. Verkehrsminister Bernreiter bekräftigte die Position der Staatsregierung, sich für den Bau des Brenner-Nordzulaufs auf deutscher Seite starkzumachen, er betonte aber auch: „Anwohnerfreundlichkeit ist uns wichtig.“ Bislang scheiterten die Planungen am Widerstand vieler Gemeinden.

Auf der Messe in München präsentierte Siemens noch eine zweite Vectron-Lok, und die, sagte Siemens-Manager Blaim gegenüber unserer Zeitung, sei fast noch interessanter: Eine Elektro-Lok, die zeitweise auch Strecken ohne Oberleitung befahren kann. Bisher gelang das, weil Diesel-Aggregate den nötigen Strom lieferten. Jetzt werden die Elektromotoren von Akkus gespeist, während der Fahrt werden sie auf Teilstrecken mit Oberleitung aufgeladen. Zwei solcher Loks habe Siemens verkauft, sagte Blaim, er rechne in Zukunft aber mit hunderten Bestellungen. In Europa seien rund 3500 Diesel-Loks im Einsatz, die nach und nach ersetzt würden – Siemens hofft mit seinen Akku-Oberleitungs-Loks auf einen riesigen Markt.
SEBASTIAN HÖLZLE

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