Wie voll ist die S-Bahn? Die KI kennt die Antwort

von Redaktion

Bei rot ist der Zugteil voll, bei gelb halbleer – bei grün bestehen gute Chancen auf einen Sitzplatz. © David Hammersen, dpa

München – Kein Ärger mehr über volle S-Bahn-Abteile, während im vorderen Zugteil noch Plätze frei sind: Das verspricht ein neues System der Deutschen Bahn, das womöglich bald an Münchner S-Bahn-Stationen zu sehen sein wird. Das System stammt aus Hamburg, dort hat die Bahn „DB Light- gate“ gestern offiziell eingeführt. Fahrgäste sehen an der Anzeige am Bahnhof, welcher Zugteil voll ist – und wo noch Chancen auf freie Plätze bestehen. Rot bedeutet voll, gelb halbvoll, grün signalisiert einen weitgehend leeren Waggon.

Aber woher weiß das System, welche Wagen voll und welche leer sind? „Insgesamt sind über 140 Lichtsensoren zur Messung der Auslastung im Netz der S-Bahn Hamburg installiert“, heißt es bei der Bahn, daher der Name „Lightgate“. Vorbeifahrende Züge werden durchleuchtet, sofern die Fenster gegenüber liegen. „Abhängig von der Anzahl der Personen in der S-Bahn wird der Lichtstrahl häufiger oder seltener unterbrochen.“ Gemessen wird damit nicht die exakte Anzahl der Fahrgäste. Die Genauigkeit liegt laut Bahn dennoch bei 90 Prozent.

Den Rest erledigt eine Künstliche Intelligenz (KI): Sie berechnet voraus, wie sich die Auslastung bei einer Weiterfahrt der S-Bahn entwickeln wird – selbst wenn noch Fahrgäste ein- oder aussteigen. „Bereits fünf Stationen vor der Einfahrt in den Bahnhof kann der Fahrgast durch die neue KI-gestützte Echtzeit-Prognose erkennen, in welchen Wagen besonders viele freie Plätze sind“, so die Bahn.

Zughersteller bieten ihren Kunden seit Jahren die Möglichkeit an, die Auslastung zu ermitteln, indem sie in den Zügen Sensoren verbauen. Problem bleiben die Bestandsflotten, oft Jahrzehnte alt. „Traditionelle Systeme zur Erfassung der Zugauslastung sind oft schwer in Bestandsfahrzeuge zu integrieren“, betont die Bahn. Lichtschranken ließen sich dagegen kostengünstig in die bestehende Infrastruktur installieren. Eingesetzt wird das System in Hamburg für interne Zwecke, um die Züge besser zu disponieren. Jetzt haben auch Fahrgäste Zugriff auf die Informationen. Getestet wird das System auch in anderen Städten – darunter München. „Aktuell testen wir das Lightgate-System zur Auslastungsmessung im Rahmen eines Pilotprojektes“, sagte ein Sprecher der S-Bahn München. „Je nach Ergebnis der Testphase könnte Lightgate dann auch hier eingeführt werden.“S. HÖLZLE

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