Ärger über neuen Bahn-Tarif

von Redaktion

Mit einer zunächst unscheinbaren Änderung bei den Reservierungen hat sich die Bahn mächtig Ärger eingehandelt. Dass Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren kostenlos mitfahren können, gerät dabei in den Hintergrund. © dpa

Berlin – Die Deutsche Bahn steht wegen der Abschaffung der Familienreservierung bei Fernreisen immer stärker unter Druck. Nach erneuter Kritik aus den Regierungsfraktionen gibt es inzwischen auch eine Petition für den Erhalt der Buchungsoption. Gestartet hat diese der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der sich für eine ökologische Verkehrswende einsetzt. Mehr als 4500 Unterschriften kamen binnen weniger Stunden bereits zusammen.

„Gerade in Zeiten, in denen die Deutsche Bahn mehr Fahrgäste für den Fernverkehr sucht, sollte sie schauen, wie das Reisen für alle attraktiver wird“, heißt es in dem Aufruf des VCD. „Bisher war genau das durch die Familienreservierung möglich: Für Kinder unter 14 Jahren konnten die Sitzplätze kostenlos mitgebucht werden. Dass dieser Service ersatzlos gestrichen werden soll, bedeutet höhere Kosten.“

Der bundeseigene Konzern hatte am Dienstag mitgeteilt, dass Familien ab dem Fahrplanwechsel an diesem Sonntag nicht mehr zum Pauschalpreis beliebig viele Sitzplätze für sich und die Kinder reservieren können. Stattdessen müssen alle Reisenden – auch Kinder – jeweils für eine Sitzplatzreservierung zahlen. Zusätzlich wird der Preis für eine Reservierung in der zweiten Klasse um 30 Cent teurer und liegt dann bei 5,50 Euro pro Platz. In der ersten Klasse kostet der feste Platz dann 6,90 Euro statt 6,50 Euro.

Konkret bedeutet das: Anstelle der 10,40 Euro für eine Familienreservierung bezahlt eine Familie mit zwei Kindern künftig 22 Euro. Für Hin- und Rückweg kommen 44 Euro zusammen.

Seit Tagen hagelt es deshalb Kritik von Politikern und Verbänden. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Steffen Bilger, sagte der „Bild“, mit der Abschaffung der Familienreservierung riskiere die Bahn leichtfertig einen weiteren Imageverlust.

Die Maßnahme treffe ausgerechnet diejenigen, die auf bezahlbare Mobilität angewiesen seien und auf Sitzplatzreservierungen nicht verzichten könnten. „Bahnreisen muss familienfreundlich sein“, sagte Bilger. „Wer mehr Menschen für die Bahn begeistern will, muss familienfreundliche Angebote stärken, nicht streichen.“ SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: „Ich hoffe, dass es noch ein Umdenken gibt. Die Bahn ist nicht so attraktiv, dass man sich solche Preissprünge einfach mal leisten kann.“

Der Bund als Eigentümer der Bahn sieht das geplante Aus für die Familienreservierung in den Fernzügen als unternehmerische Entscheidung, lässt aber auch Zweifel daran erkennen. Die Entscheidung falle ins operative Geschäft der Bahn, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin. „Gleichwohl kann man wohl hinterfragen, ob es aktuell das richtige Signal ist.“ Eingreifen werde die Regierung aber nicht. Es bleibe Aufgabe der Bahn, ihre Tarifpolitik selbst zu gestalten.

Doch ungeachtet der wachsenden Kritik hatte die Bahn zuletzt betont, an der Neuregelung festzuhalten. „Die Familienreservierung werden wir ab dem 15. Juni nicht mehr anbieten“, hatte eine Konzernsprecherin in Berlin bekräftigt. Das Unternehmen betont indes, dass Kinder und Jugendliche bis einschließlich 14 Jahren in Begleitung für das eigentliche Ticket gar nichts bezahlen müssen.

Fünf Prozent aller Fernreisenden hätten die Familienreservierung bisher gebucht. Bei 133,4 Millionen Reisenden im Fernverkehr der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr wären das immerhin rund 6,7 Millionen Fahrgäste, die diese Option genutzt haben.MM, DPA

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