München/Berlin – Wachstumsziele beim Bruttoinlandsprodukt von zwei Prozent und mehr sind aktuell schwer vorstellbar – und doch hält sie der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, für durchaus erreichbar. Allerdings müsse die Politik dafür einige Reformen umsetzen. „Geld allein reicht nicht“, erklärte Fuest. „Es gibt zu viele Stolpersteine. Deutschland braucht eine Reformbereitschaft in mehreren Bereichen.“
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schätzt, dass bei einer Konzentration der zusätzlichen Staatsausgaben auf Investitionen das Wachstum im Zeitraum 2026 bis 2030 sogar bei durchschnittlich bis zu 2,3 Prozent liegen könnte. Essenziell ist dafür nach Ansicht von Fuest allerdings, die öffentlichen Investitionen mit zusätzlichen Reformen zu verbinden. Ein Risiko bestehe zum Beispiel darin, dass die erhöhten öffentlichen Ausgaben private Investitionen verdrängen und Preise in die Höhe treiben. Um das zu verhindern, müssten die privaten Unternehmen, die für öffentliche Aufträge infrage kommen, Kapazitäten aufbauen und untereinander in Wettbewerb um diese Aufträge stehen, sonst stiegen die Preise. Kapazitäten aufzubauen gelingt laut Fuest nur mit mehr Arbeitsleistung. „Es braucht Wettbewerb, Mehrarbeit muss sich lohnen“, so der ifo-Präsident. „Eine verbesserte Kinderbetreuung und Reformen im Bürgergeld können dabei helfen, das Arbeitsangebot auszuweiten.“ Außerdem könne der Abbau von Bürokratie weitere Arbeitskraft freisetzen und, wie aus einer ifo-Studie hervorgeht, die Wirtschaftsleistung innerhalb von acht Jahren um 4,6 Prozent erhöhen.
Positiv gestimmt ist auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Angesichts des angekündigten Investitionspakets rechnet das Institut mit einem erheblichen Aufschwung ab dem kommenden Jahr. „Alles in allem dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in diesem Jahr um 0,3 Prozent und im kommenden Jahr merklich um 1,7 Prozent zulegen“, teilte das Institut in Berlin mit. Damit revidierten die Wirtschaftsforscher ihre bisherigen Prognosen um 0,2 Prozentpunkte für das laufende und 0,6 Punkte für das kommende Jahr nach oben. MM, DPA