Die Bayern zieht´s aufs Land

von Redaktion

Wer günstiger wohnen will, muss sich in Bayern weit außerhalb der Metropole München umschauen. © Hildenbrand, dpa

München – Bayern leben gerne auf dem Land. 44 Prozent, und damit rund zehn Prozentpunkte mehr als im Bundesschnitt, wohnen schon heute in ländlichen Regionen, das heißt in Gemeinden unter 20 000 Einwohnern. Dazu könnten 25 Prozent von Städtern kommen, die am liebsten raus ins Grüne ziehen würden. „In Bayern ist das Preisgefälle zwischen Land und Stadt besonders groß“, erklärt Stefan Hecht, Gebietsleiter bei der Commerzbank in München, die eine repräsentative Umfrage beim Meinungsforschungsinstitut YouGov darüber beauftragt hat, wie die Bayern leben und wie sie leben wollen. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

■ Fast alle halten die Preise für zu hoch

Generell sind die Menschen mit ihrer Wohnsituation recht zufrieden, 51 Prozent gaben das bei der Umfrage unter 2500 Personen an. Allerdings haben auch sie Wünsche. So möchten 23 Prozent ihren Wohnraum vergrößern und 30 Prozent hätten gern einen Garten oder einen Balkon.

Ihre Chancen auf Realisierung ihrer Wohnträume sehen die meisten durchaus realistisch. 39 Prozent geben an, sie könnten sich auf absehbare Zeit keine Immobilien leisten. Zugleich halten 92 Prozent der Befragten die Immobilienpreise generell für zu hoch und sind der Meinung, dass das Bauen insgesamt teurer geworden ist. „Die Preise für Neubau-Wohnungen in Bayern haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt“, bestätigt Hecht. Und Hoffnung auf in absehbarer Zeit sinkende Preise kann der Commerzbank-Manager auch nicht machen. „Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt.“ Der Zuzug in den attraktiven Ballungsraum München werde anhalten.

Daher dürfte sich seiner Einschätzung nach der Einzugsbereich der Metropole vergrößern, das heißt, die Menschen werden immer weiter hinaus aufs Land ziehen. „Schon heute ist es so, dass man bei den Immobilienpreisen fast jede S-Bahn-Station spürt“, meint Hecht. Um den bezahlbaren Wohnraum auch außerhalb der S-Bahn-Äste besser nutzbar zu machen, müssten die Infrastruktur, allen voran die der Bahn, deutlich verbessert werden. Auch die Politik müsste ihren Beitrag leisten, findet er. Zum einen sei bei Projekten wie dem Bau oder Kauf eines Eigenheims langfristige Planbarkeit das Allerwichtigste. Also müssten zum Beispiel Förderrichtlinien oder energetische Anforderungen klar und verlässlich sein. Zudem könnte Bauen durch vereinfachte und beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie mehr Standardisierung um einiges billiger sein.

■ Nebenkosten nicht unterschätzen

Laut der Umfrage kann sich jeder dritte Bayer aber durchaus vorstellen, demnächst Wohneigentum zu erwerben. Auch bei der Commerzbank ist laut Hecht nach der Delle infolge des rapiden Zinsanstiegs wieder eine wachsende Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen zu spüren. Bau- und Kaufwillige sind auch teils recht gut über ihr Projekt informiert. So gaben 64 Prozent an, dass sie sich über die Nebenkosten bewusst seien. Und die sind laut Hecht nicht zu unterschätzen: Grundsteuer, Notarkosten, Kosten für die Außenanlagen – einige zehntausend Euro sind da schnell zusammen.

Weniger ausgeprägt ist das Wissen über Fördermittel generell und das Förderprogramm „Wohneigentum für Familien“ im Besonderen. Dabei sei gerade in dieser Zielgruppe der Wunsch, in die eigenen vier Wände zu ziehen, besonders groß: über 40 Prozent der 35- bis 45-Jährigen könnten sich einen Hausbau oder -kauf konkret vorstellen. Bei hohen Preisen und einem Finanzierungszins, der auch im nächsten Jahr nicht unter 3,5 bis 4 Prozent sinken wird, so Hecht, müsse man jede finanzielle Hilfe in Erwägung ziehen.

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