Ausfuhren in die USA sacken ab
Auch an den Häfen spürt man die Schwäche des deutschen Außenhandels. Hier: Der Hafen in Stuttgart. © Bernd Weißbrod/dpa
Wiesbaden – Unsicherheit um Zölle, ständige Drohungen von Donald Trump und kein Ende in Sicht: Der Zollstreit mit den USA samt einer erneut verlängerten Frist wird zur schweren Bürde für Deutschlands Exporteure. Im Mai fielen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Handelspartner für deutsche Unternehmen, auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Insgesamt sanken die Exporte damit um 7,7 Prozent zum Vormonat auf 12,1 Milliarden Euro – der zweite Rückgang in Folge.
„Die Situation im Außenhandel ist dramatisch und droht sich weiter zu verschärfen“, sagt Dirk Jandura, Präsident des Exportverbands BGA. „Die Folgen der Trump‘schen Zollpolitik werden damit immer deutlicher.“ Und das Bangen um US-Zölle hat noch kein Ende: Am Montagabend verschob Präsident Trump die Frist für neue Zölle auf 1. August und kündigte besonders für asiatische Länder hohe Aufschläge an, darunter für Japan, Südkorea und Malaysia. Damit zieht sich der Zollstreit in die Länge. Das schwebe „wie ein Damoklesschwert über deutschen und europäischen Exporteuren“, sagt ING-Chefökonom Carsten Brezski.
Trump deutet baldige Einigung mit EU an
Die deutschen Exporteure, die noch im ersten Quartal von vorgezogenen Lieferungen in die USA profitiert hatten, sind nun endgültig in schwierigen Zeiten angekommen. Die gesamten Ausfuhren weltweit sanken im Mai um 1,4 Prozent gegenüber April auf 129,4 Milliarden Euro. Bereits im April hatte es ein deutliches Minus gegeben. „Jetzt drehen sich die Vorzieheffekte des ersten Quartals in ihr Gegenteil um“, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank.
Anfang April hatte Trump sein gewaltiges Zollpaket angekündigt – nur um große Teile davon nach heftigen Börsenturbulenzen für 90 Tage auszusetzen. Seither gilt ein Basiszoll von zehn Prozent auf EU-Importe, während Trump zwischenzeitlich mit Zöllen von 50 Prozent drohte, sollte in den Verhandlungen mit Brüssel keine Einigung gelingen. Auf den Import von Autos und Autoteilen hat Trump bereits hohe Extrazölle von 25 Prozent eingeführt, auf Stahl- und Aluminium sogar in Höhe von 50 Prozent. Auch auf Kupfereinfuhren strebt Trump nun einen Zuschlag von 50 Prozent an.
Gestern Abend deutete Trump dann eine mögliche Einigung mit der EU an. „Wir sind wahrscheinlich zwei Tage davon entfernt, ihnen einen Brief zu schicken“, sagte er. „Ein Brief bedeutet einen Deal.“ Bisher hatte er solche Briefe genutzt, um Strafzölle gegen Handelspartner zu verkünden. Trump sagte weiter, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihr Team seien zuletzt „sehr nett“ gewesen. Er hatte am Sonntag mit von der Leyen telefoniert.
Doch die Exporteure kämpfen nicht nur mit Trumps Zollpolitik, auch im Geschäft mit China geht es bergab: Die Ausfuhren sanken im Mai um 2,9 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro. China ist von einer billigen Werkbank zur Konkurrenz auf den Weltmärkten geworden. Die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich stiegen dagegen um gut 15 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro, während die Ausfuhren in die EU-Staaten um 2,2 Prozent auf 71,3 Milliarden Euro schrumpften.
Rückfall in die Rezession droht
Auch die Importe schwächelten deutlich. Sie fielen im Mai um 3,8 Prozent zum Vormonat auf 111,1 Milliarden Euro. „Der starke Rückgang der Importe könnte als Schwäche der Binnenkonjunktur ausgelegt werden“, sagt der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia. Angesichts des schwachen Außenhandels droht der deutschen Wirtschaft nach dem überraschend starken Wachstum von 0,4 Prozent im ersten Quartal erneut die Rezession. Deutsche Exporteure sind aus Sicht von ING-Chefökonom Brezski mit heftigem Gegenwind konfrontiert: „Nach den harten Daten für die ersten beiden Monate des zweiten Quartals sieht es so aus, als würde die deutsche Wirtschaft erneut stagnieren oder sogar leicht schrumpfen.“