Bundesbank warnt: Wirtschaft verliert an Fahrt

von Redaktion

Frankfurt – Die deutsche Wirtschaft hat im Frühjahr nach Einschätzung der Bundesbank wieder an Fahrt verloren. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im zweiten Quartal stagniert haben, schreibt sie in ihrem aktuellen Monatsbericht. In den ersten drei Monaten war die deutsche Wirtschaft überraschend um 0,4 Prozent gewachsen, weil Unternehmen in Erwartung von US-Zöllen Lieferungen vorzogen und die Industrieproduktion ansprang. Nun liefen die Vorzieheffekte aus, so die Bundesbank.

Zugleich warnt sie vor „zusätzlichem Gegenwind“ für die deutsche Exportwirtschaft durch US-Zölle. US-Präsident Donald Trump hatte Zölle von 30 Prozent auf Importe aus der EU ab 1. August angekündigt, falls es nicht zu einer Einigung mit Brüssel kommt. Sollten die Zölle wie angedroht in Kraft treten, wäre dies ein „beachtliches konjunkturelles Abwärtsrisiko“ für die deutsche Wirtschaft, so die Bundesbank. Zuvor hatte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gesagt, dass die Zollunsicherheit der Wirtschaft schade. Eine zügige Einigung müsse Ziel der EU sein, sagte er dem „Handelsblatt“. Allerdings schränkte er ein, dass dies „nicht um jeden Preis“ geschehen solle.

Anders als die Bundesbank beurteilt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) die potenziellen Folgen der US-Zölle vergleichsweise gelinde. Ein Satz von 30 Prozent auf EU-Importe würde Deutschlands Konjunkturerholung zwar belasten, aber nicht abwürgen, heißt es in einer neuen Studie. Noch im Juni hatten die IMK-Experten der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung prognostiziert, dass die deutsche Wirtschaft dieses Jahr wohl um 0,2 Prozent und 2026 um 1,5 Prozent wachsen werde. Sollten die neuen US-Zölle zum 1. August greifen, wäre 2025 eine Stagnation und 2026 ein Plus von 1,2 Prozent zu erwarten, schätzen die Fachleute um Ökonom Sebastian Dullien. DPA

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