Commerzbank pusht Aktienkurs

von Redaktion

Die Commerzbank-Zentrale: Im Frankfurter Bankenturm will man alle Register ziehen, um die Unicredit draußen zu halten. © Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt – 2,4 Milliarden Euro operativer Gewinn im ersten Halbjahr und damit ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum, acht Prozent mehr Provisionen und trotz niedriger Leitzinsen ein stabiler Zinsüberschuss von vier Milliarden Euro: Die guten Zahlen der Commerzbank haben viele überrascht. „Wir haben im ersten Halbjahr das beste operative Ergebnis in der Geschichte der Commerzbank erzielt“, klopfte sich Commerzbank-Chef Bettina Orlopp bei der Verkündung am Mittwoch in Frankfurt selbst auf die Brust. Und sie kündigte gleich noch an, dass der Gewinn im Gesamtjahr um 100 Millionen Euro höher ausfallen dürfte.

Während Quartalszahlen der Commerzbank sonst nur Aktionäre und Bankenkenner interessieren, haben sie dieses Mal eine tiefere Bedeutung: Die deutsche Großbank wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine Übernahme durch die Unicredit. Rund 20 Prozent der Commerzbank-Aktien haben die Italiener schon an sich gerissen, bald wollen sie ihre Anteile auf 30 Prozent aufstocken und müssten dann ein Angebot für eine Komplett-Übernahme abgeben. Die Commerzbank will das verhindern – offenbar auch, indem sie ihren Aktienkurs und damit den Kaufpreis so weit nach oben treibt, dass er unbezahlbar wird.

Dass die Commerzbank kein Teil der Unicredit werden will, ist kein Geheimnis. Die Ablehnung liegt wohl auch daran, dass man in Frankfurt noch das Schicksal der HVB vor Augen hat. Nachdem die Italiener die Münchner Bank 2005 schluckten, wurde die HVB zwar profitabler, blutete aber regelrecht aus. Sie verlor nicht nur ihre Autonomie, sondern auch rund die Hälfte aller Mitarbeiter. Das hat auch die Bundesregierung nicht vergessen, die seit der Finanzkrise Anteile an der Commerzbank besitzt, derzeit sind es noch zwölf Prozent. Auch sie lehnt die Übernahme ab und will ihre Anteile nicht an die Unicredit abgeben.

Dabei wäre der Preis verlockend: Mit 31 Euro kostet die Commerzbank-Aktie wieder mehr als die 26,40 Euro, die der Bund einst bezahlt hat. Grund für den jüngsten Kursanstieg war auch ein rigides Sparpaket. Trotz Rekordgewinnen hat sich die Bank im Mai – also nach Bekanntwerden der Übernahmepläne – mit dem Betriebsrat darauf geeinigt, 3900 Stellen abzubauen, 3000 davon in Deutschland. Das kostete im ersten Halbjahr zunächst zwar etwa eine halbe Milliarde Euro für Abfindungen und andere Dinge, denn gleichzeitig sollen Stellen bei der polnischen Tochter mBank und an Niedriglohnstandorten in Asien hinzukommen. Perspektivisch wird der Konzern aber profitabler, was die Aktie anschiebt: Allein seit die Übernahmebestrebungen der Unicredit im Herbst 2024 öffentlich wurden, hat sie sich mehr als verdoppelt.

Commerzbank-Chefin Orlopp tut derzeit alles dafür, dass dieser Trend anhält. Die Renditeziele der Bank hat sie nach oben geschraubt, die Dividende wurde bei der Hauptversammlung im Mai kräftig erhöht. Am Mittwoch kündigte Orlopp außerdem an, für eine Milliarde Euro weitere Aktien zurückzukaufen. Das lockt Investoren an und treibt die Kurse. Nicht unbedingt zur Freude der Unicredit, deren Aktienpaket damit wertvoller wird. Für sie wird eine komplette Übernahme dadurch gleichzeitig teurer oder sogar unmöglich.

Die Situation mit der drohenden Übernahme durch die Mailänder sei „nicht ideal“, räumte die Commerzbank-Chefin bei der Quartalsbilanz ein. Man arbeite aber weiter daran, auch für die Aktionäre Werte zu schaffen. „Das tun wir ganz erfolgreich und das haben wir vor, in den nächsten Quartalen fortzusetzen“, sagte Orlopp. Das darf man in Italien durchaus als Drohung verstehen.

Artikel 8 von 8