Übernahme von ProSiebenSat.1 rückt näher

von Redaktion

Manager aus Unterföhring geben Widerstand gegen Berlusconi-Konzern auf

Das Fernsehen steckt in Problemen, bei ProSiebenSat.1 sank der Umsatz im zweiten Quartal um sieben Prozent. © Imago

Unterföhring – Eine mögliche Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den italienischen Berlusconi-Konzern MFE rückt einen Schritt näher. Die Spitze des deutschen Medienunternehmens empfiehlt den Aktionären, das nachgebesserte Übernahmeangebot von MFE anzunehmen. Das teilten Vorstand und Aufsichtsrat der ProSiebenSat.1 Media SE mit. Sie erachten das geänderte Angebot von MFE als „angemessen“. Man begrüße, dass MFE nachgebessert habe. Im Mai hatten sie eine Übernahme noch abgelehnt.

Die Manager hoben hervor, dass MFE beabsichtige, Synergien „nicht durch Standortschließungen oder den Abbau von Arbeitsplätzen zu erreichen“. Der deutsche Fernsehkonzern, der mit einem schwachen TV-Werbemarkt zu kämpfen hat, hat seit 2023 bereits hunderte Stellen abgebaut. Vor gut einer Woche hatte der italienische Konzern, der den Kindern des 2023 gestorbenen früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi gehört, sein Angebot deutlich erhöht und damit seine Position in der Bieterschlacht um ProSiebenSat.1 gestärkt. Der konkurrierende tschechische Finanzinvestor PPF wird seine Offerte nicht mehr anheben.

Berlusconi ist in Italien wegen zahlreicher Skandale und Verurteilungen bis heute umstritten. Der Rechtspopulist der „Forza Italia“ hatte sein Medienimperium immer auch für seine eigene politische Karriere genutzt. Seine Kinder stehen der Partei nahe, sind aber nicht in der Politik aktiv. Sohn Pier Silvio Berlusconi, Vorstandschef von MFE, schloss zuletzt eigene politische Ambitionen für die Zukunft nicht aus.

Medienstaatsminister Wolfram Weimer sagte der Deutschen Presse-Agentur, man verfolge die Entwicklungen rund um die Übernahme sehr genau. „Sollte die italienische Medienholding MFE die deutsche ProSiebenSat.1 tatsächlich mehrheitlich kontrollieren, erwarten wir, dass die journalistische Unabhängigkeit der Redaktionen erhalten bleibt und kein Einfluss durch die neuen Anteilseigner genommen wird.“

Der Medienstandort München müsse gestärkt werden, so Weimer. „Sollte eine europäische Medienplattform entstehen, erwarte ich, dass diese ihren Hauptsitz in München hat.“ Im September werde er über all diese Entwicklungen mit Pier Silvio Berlusconi im Kanzleramt sprechen.DPA

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