Plötzlich reich – was tun mit dem Geld?

von Redaktion

Wenn das Vermögen wachsen soll, muss es klug und kostensparend angelegt werden. Heiße Tipps aus dem Bekanntenkreis taugen dazu meistens nicht. © panthermediea

Wer hätte das gedacht: Als das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) im vergangenen Jahr die Frage stellte, was man mit 20 000 Euro tun würde, antworteten die meisten Befragten, dass sie das Geld sparen wollen. Insgesamt 39 Prozent gaben das an. Erst an zweiter Stelle kam mit 27 Prozent die Finanzierung einer Reise, 22 Prozent wollten den Betrag in ihre Altersvorsorge investieren, und nur 18 Prozent planten, das Geld auszugeben. Mit anderen Worten: Einen unerwarteten größeren Geldzufluss – zum Beispiel aufgrund einer Erbschaft, einer Abfindung oder aus der Auszahlung einer Lebensversicherung – würden insgesamt rund 61 Prozent der Umfrageteilnehmer sparen oder investieren.

„Was ich in solchen Fällen aber immer wieder feststelle, ist, dass sich viele Menschen, vor allem wenn sie sich zuvor nie mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt haben, überfordert sind“, sagt Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Finanzplaner FPSB, Deutschland.

■ Wunsch erfüllen und investieren

„Der Haken daran ist, dass aufgrund falscher Entscheidungen selbst eine größere Summe schnell weg sein kann“, sagt Tilmes. Zum Beispiel durch übermäßigen Konsum, aber auch aufgrund falscher Anlageentscheidungen, weil man vermeintlich heißen Anlagetipps folgt oder schlecht beraten wird. Zwar spricht nichts dagegen, zumindest einen Teil des Geldes für persönliche Wünsche wie die lang ersehnte Reise zu verwenden. Doch ist es sicherlich auch sinnvoll, einen Teil davon zu investieren.

■ Risikoscheu: Dann maximal 50 % Aktien

Wer das tun möchte, sollte aber sehr umsichtig vorgehen. „So sollte man sich unbedingt über seine persönliche Risikoneigung und seine Anlageziele im Klaren sein und wie man die Ziele mit dem zugeflossenen Geld am besten erreichen kann“, sagt Tilmes.

Wer weiß, dass er das zurückgelegte Geld bald benötigt, zum Beispiel in einem Jahr, sollte eher nicht so viele Risiken eingehen. Das Gleiche gilt für eher risikoaverse Anleger, die auch mit vorübergehenden Verlusten nicht gut umgehen können. „Ich rate in diesem Fall zu einer Aktienquote von maximal 50 Prozent, eher ein Stück darunter“, sagt Michael Thaler von der Top Vermögen AG.

Anleger müssen in diesem Fall entweder selbst Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere wählen und beimischen, oder sie entscheiden sich für einen Mischfonds oder einen ETF, der das Vermögen zwischen Aktien und Anleihen entsprechend aufteilt. „Bei solchen gemischten Anlageprodukten gleichen die Anleihen zwar die Verluste auf der Aktienseite idealerweise etwas aus, dennoch muss man sich im Klaren sein, dass es trotzdem zu vorübergehenden Verlusten kommen kann“, sagt Thaler.

■ Viel Zeit, viele Aktien

Anders sieht es aus, wenn man einen längeren Anlagezeitraum zur Verfügung hat. „Denn bei einem langen Anlagehorizont gibt es kaum eine bessere Anlageform als Aktien“, sagt Tilmes. Langfristig, so Berechnungen des Finanzdienstleisters Vanguard, bietet der Aktienmarkt eine durchschnittliche Rendite von 7,3 Prozent. Und laut dem Global Returns Yearbook 2025 der UBS brachte der Aktienmarkt seit 1900 sogar eine reale Rendite, also nach Abzug der Inflation, von 8,5 Prozent.

Damit konnte kaum eine andere Anlage mithalten. Wer also fünf Jahre oder mehr zur Verfügung hat, der könnte – zumindest theoretisch – auch komplett auf Aktien setzen. Allerdings muss man dabei bedenken, dass es kurzfristig auch zu heftigen Kurseinbrüchen kommen kann.

„Wer einen größeren Betrag hat und diesen auf einmal anlegt, muss sich also fragen, ob er eine solche Verlustphase, wenn sie denn kommt, durchstehen kann“, sagt Thaler. „Es kann deshalb psychologisch von Vorteil sein, wenn man gestuft investiert.“ Dabei würde man drei oder mehr größere Teilbeträge verteilt über ein halbes Jahr oder auch länger investieren.

■ Bei Fonds auf die Kosten achten

Bei der Auswahl der Produkte selbst raten Experten, auf die Kosten zu achten. Zudem werden oft Weltaktienindizes wie der MSCI World oder der FTSE All Cap als Basisinvestment empfohlen. „Ich halte aktuell auch eine Anlage in globale und nachhaltig stabile Dividendentitel für eine interessante Alternative“, sagt Thaler. „Das sind oft Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen, die bewiesen haben, dass sie auch gut durch schwierige Marktphasen kommen und verlässliche Ausschüttungen bieten.“

■ Vorsicht bei Anlagen im Dollar-Raum

Allerdings rät er dazu, nicht zu stark in den US-Dollar-Raum zu investieren. „Der Dollar könnte noch weiter an Wert verliere, und das würde Euro-Anlegern Verluste bringen“, sagt der Experte weiter. Ganz vernachlässigen sollten Anleger aber auch Titel wie die führenden Technologiekonzerne wie Meta oder Nvidia nicht. Hier bietet sich beispielsweise die Beimischung eines ETFs auf den US-Leitindex S&P 500 an. „Und schließlich sollten Anleger auch nicht vergessen, dass Asien ebenfalls viele interessante Unternehmen zu bieten hat“, so Thaler.

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