An der Supermarktkasse können Kunden bestimmter Banken neuerdings auch Geld auf ihr Konto einzahlen. © Julian Stratenschulte/dpa
München/Frankfurt – Auch weil Alternativen wegbrechen, heben immer mehr Verbraucher an der Ladenkasse Bargeld ab. Der Einzelhandel sieht sich unfreiwillig in die Mit-Verantwortung für die Bargeldversorgung gedrängt.
Erste Kreditinstitute, darunter die Postbank, bieten ihren Kunden jetzt auch an, Bares – bis zu 1000 Euro nämlich – im Supermarkt einzuzahlen. Der Service funktioniere über einen Barcode, generiert über die Postbank-App, erklärt das Institut. Partner seien unter anderem Rewe, Penny, die Drogeriemarktfilialisten dm, Rossmann und Budni, Netto, die toom Baumärkte, Real, Tegut oder Kaufland – mehr als 12 500 Standorte bislang. Einkaufen müssen die Kunden dafür nicht.
Anders als beim klassischen „Cashback“-Verfahren wird der Händler von der Bank beauftragt und erhält eine Gebühr, erklärt ein Sprecher der Postbank. Der mögliche Auszahlungsbetrag sei bis zu fünfmal höher als die üblichen 200 Euro, Kunden könnten in derselben Höhe Geld auf ihr Girokonto einzahlen. Das sei wichtig für Geschäftskunden. Die Postbank App zeige alle teilnehmenden Geschäfte in der Nähe an. Auch die Commerzbank-Tochter Comdirect hat ein ähnliches Angebot mit Ein- und Auszahlungen.
Derweil werden Abhebungen an der Supermarktkasse bei den Deutschen immer beliebter. „Wir stellen eine deutliche Zunahme fest“, sagt Ulrich Binnebößel, Abteilungsleiter für Zahlungsverkehrsthemen beim Branchenverband HDE. Einer aktuellen Studie des Handels-Marktforschungsinstituts EHI zufolge wurden im Jahr 2024 in 136,8 Millionen Cashback-Transaktionen 13,5 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt. Im Jahr davor waren es noch 122 Millionen Transaktionen mit einer Auszahlungssumme von 12,3 Milliarden Euro. Binnebößel spricht von einer Verfünffachung seit 2019. Im Durschnitt hoben die Kunden pro Ladenkassen-Transaktion nach Angaben des HDI rund 100 Euro ab.
Das vor ein paar Jahren zunächst als zusätzlicher Service eingeführte Angebot gewinne auch deshalb stark an Bedeutung, weil es immer weniger Alternativen gibt, betont der HDE. Banken und Sparkassen schließen aus Kostengründen Filialen und bauen Bankautomaten ab. Gerade auf dem Land verließen sich die Kreditinstitute zunehmend auf den Service des Handels, registriert der Verband.
16 Prozent aller Geldautomaten haben Banken nach Zahlen der Bundesbank seit 2018 bundesweit abmontiert. Ein aktuelles Beispiel ist die Direktbank DKB, die im Juni ihre letzten Geldautomaten aus dem Verkehr genommen hat. Der Betrieb der Automaten verursache hohe Kosten, so die DKB. Auch ändere sich das Zahlungsverhalten der Nutzer.
Der Einzelhandel übernehme zunehmend die Aufgaben der Banken und entlaste die Kreditwirtschaft von Kosten durch die Vorhaltung von Filialen und Bankautomaten, kritisiert der HDE. Die Händler fordern von den Kreditinstituten deshalb, wenigstens auf Gebühren zu verzichten, die sie bezahlen müssen, wenn sie ihren Kunden Barabhebungen beim Einkauf ermöglichen.
Nach Angaben des EHI Retail Institute fallen für die Händler pro Girocard-Transaktion zwischen 0,1 und 0,2 Prozent des ausgezahlten Betrages als Gebühr an. Die Kosten würden auf die Endpreise umgelegt.
Nach geltendem Recht haben die Kunden allerdings keinen Rechtsanspruch auf den bequemen Bargeldbezug im Supermarkt. Außerdem dürfen Händler einen Mindestumsatz zur Bedingung machen.
Für den Handel ist der Service logistisch herausfordernd, schließlich muss immer ein ausreichender Bargeldvorrat sichergestellt werden, auch morgens, wenn noch nicht viele Kunden eingekauft haben und nur kleine Bargeldbeträge für das Wechselgeld in den Kassen sind.
Problematisch könnte es werden, wenn die EU im Rahmen der geplanten neuen Zahlungsrichtlinie eine Entkoppelung von Abhebung und Einkauf erlaubte. Allerdings wäre das Angebot nach bisherigem Stand voraussichtlich auch dann weiterhin freiwillig.
Das neue Verfahren der Postbank komme gut an, betont der Sprecher. Monatlich verzeichne man ein zweistelliges prozentuales Wachstum bei den Nutzerzahlen.Ab September könnten auch die Kunden der Deutschen Bank den Bargeld-Code nutzen.