Die Batterieanlage in Immenstadt besteht aus vier Modulen – jedes aus zwei Containern mit Batteriezellen und einer Steuereinheit. Partner ist das Allgäuer Überlandwerk.
Immenstadt – Die Erkenntnis ist nicht neu. „Wir verschenken an Sonnentagen Strom“, sagt Christoph Ostermann. „Wir zahlen sogar dafür, um ihn loszuwerden. Und bei schlechten Bedingungen kaufen wir teuren französischen Atomstrom.“ Man kann das kritisieren. Ostermann sieht es aber als Herausforderung. Er hat bereits das zweite Unternehmen für innovative Stromspeicher gegründet.
Seine Lösung: Überschüsse speichern und bei Bedarf verbrauchen. Diese an sich einfache Gleichung hat er bereits bei der von ihm gegründeten Sonnen GmbH in eine Geschäftsidee umgesetzt. Nun tut er das in weit größeren Dimensionen. Bei Sonnen waren es kompakte Batterien in Haushalten. Das florierende Unternehmen hat Ostermann inzwischen verkauft. Seine neueste Gründung Green Flexibility mit Sitz in Kempten hat nun den aktuell größten Stromspeicher Bayerns in Betrieb genommen. „32 Megawattstunden und 15 Megawatt“ sei die Leistung. Der Energiepark mit Großbatteriespeichern liegt für seinen Zweck ideal an einem Umspannwerk des Allgäuer Überlandwerks in Immenstadt.
Und das Unternehmen hat deutlich größere Projekte in Planung. 40 Megawatt und 80 Megawattstunden für einen Speicher, der gerade gebaut wird. Dank des modularen Aufbaus ist das kein Problem.
Die Batterieanlage in Immenstadt besteht aus vier Modulen – jede aus zwei Containern mit Batteriezellen und einer Steuereinheit. Ostermann betont den integrierten Brandschutz und die Klimatisierung, die die Zellen deutlich langsamer altern lässt.
Das Allgäuer Überlandwerk – der dortige Partner von Green Flexibility – gilt mit seinen vielen Wasserkraftwerken als aufgeschlossen für regenerative Energien. Doch Sonne und Wind liefern nicht zwingend dann Energie, wenn die Nachfrage hoch ist. So gilt Speicherung als wichtiger Schlüssel. Der gespeicherte Strom kann genutzt werden, wenn bisher teuer zugekauft wird. Er wird aus dem Netz gezogen, wenn die Marktpreise ins Bodenlose fallen, und wieder eingespeist, wenn Energiemangel die Strompreise hochtreibt.
Doch die Preisschwankungen beim Strom sind nur ein Aspekt. Mindestens genauso wichtig ist für Netzbetreiber die Stabilisierung der Stromnetze. Kaum eine Technik kann so schnell auf Schwankungen im Netz reagieren wie der Speicher in Immenstadt, der mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen des chinesischen Herstellers CATL ausgestattet ist. In nur 40 Millisekunden erkennt er Schwankungen der Netzfrequenz (ein Indikator für zu viel oder zu wenig Energie im Netz) und steuert automatisch dagegen – um ein Vielfaches schneller als Gas- oder Wasserkraftwerke, die ebenfalls zur Netzstabilisierung beitragen können.
Auf das schnelle Gegensteuern kommt es an, um zu verhindern, dass es – wie jüngst in Spanien und Portugal – zu einem Totalausfall kommt, bei dem in einer Art Kettenreaktion immer mehr Teile des Stromnetzes ausfielen. Beide Länder waren für viele Stunden nahezu komplett lahmgelegt.
Der Zusammenbruch der Versorgung ist allerdings auf Besonderheiten auf der Iberischen Halbinsel zurückzuführen und in Mitteleuropa so nicht zu befürchten. Dennoch könnten Speicher wie die von Green Flexibility das Netz aus einem Blackout hochfahren. Allerdings ist, wie Ostermann einräumt, diese Schwarzstartfähigkeit in der Steuerelektronik der Module in Immenstadt noch nicht installiert.
An Interesse von Investoren fehlt es nicht. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) beobachtet die Start-up-Szene genau. Beim Risikokapital belegte Green Flexibility im ersten Halbjahr 2025 deutschlandweit den zweiten Platz. 400 Millionen Euro flossen dem Unternehmen in einer ersten Tranche von seinem Schweizer Investor Partners Group zu. Nur das Münchner Rüstungs-Start-up Helsing konnte noch 200 Millionen Euro mehr einsammeln.