Wohin mit dem Pizzakarton?

von Redaktion

Altpapier? Restmüll? Gelbe Tonne? Der Verbleib von Pizzakartons, insbesondere, wenn sie mit Käseresten versehen sind, ist nicht so leicht zu klären. © THOMAS PLETTENBERG

München – Recycling ist in Deutschland ein vielbeachtetes Thema. Das ist gut so, will man die begrenzten Ressourcen des Planeten nicht überstrapazieren. Doch bei der Mülltrennung scheiden sich manchmal die Geister. Eines der kontroversesten Beispiele: Der Pizzakarton.

Die Frage nach dem Wohin wird in diversen Internet-Ratgebern beantwortet. Nur halt mit unterschiedlichem Ergebnis: Die einen sehen ihn im Altpapier, die anderen wegen der Verschmutzung im Restmüll. Die Stiftung Warentest verortete schmutzige Kartons mit Verweis auf das Umweltbundesamt gar in der gelben Tonne bei den Verpackungen. Das hatte unsere Zeitung auch so berichtet und daraufhin einige kritische Zuschriften von aufmerksamen Lesern bekommen.

Eine anschließende umfangreiche Recherche ergab im Wesentlichen eines: Verschmutzte Pizzakartons sind in keinem Entsorgungssystem gern gesehen. Einfacher als die Frage nach dem „Wohin“ lässt sich folglich die Frage: „Wohin nicht“ beantworten.

Der große Entsorgungsdienstleister Remondis zum Beispiel will keine öligen Fasern in seiner Sammlung: „Schmutzige Pizzakartons gefährden das Papierrecycling“, erklärte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Die fettbefleckten Kartonagen könnten dem Kreislaufgedanken einen Bärendienst erweisen. Deshalb, so Remondis, sollten bitte nur wirklich saubere Kartons in die blaue Tonne. Wie der „Europäische Wirtschaftsdienst“ berichtet, sehen einige Vertreter der Papierindustrie Pizzakartons wegen der Verschmutzungsgefahr sogar ausschließlich in der gelben Tonne.

Gehört die Pizza-Pappe also doch in den Restmüll oder den gelben Sack? Von beidem rät das Umweltbundesamt (UBA) ab, wie Matthias Fabian erklärt. Er leitet das Sachgebiet „Vollzug Verpackungsgesetz“ und kennt den gleichnamigen Rechtstext gut. „Laut § 13 müssen beim privaten Endverbraucher als Abfall anfallende restentleerte Verpackungen einer vom gemischten Siedlungsabfall getrennten Sammlung zugeführt werden“, erklärt Fabian. Kurz: „Sobald die Pizza aus dem Karton entnommen wurde, darf er von Gesetzes wegen nicht mehr in den Restmüll.“

Mit dieser Voraussetzung wird es schwierig: „Wir haben früher empfohlen, sehr fettige Pizzakartons in die gelbe Tonne zu geben, weil sie die Qualität des Altpapiers beeinträchtigen können.“ Der Hinweis habe sich aber als nicht alltagstauglich erwiesen: „Man sollte niemanden durch zu komplizierte Regeln von der Mülltrennung abschrecken. Deshalb haben wir die einfache Faustregel aufgestellt: Pizzakartons gehören restentleert immer ins Altpapier.“ Der Nutzen der gewonnenen Fasern sei größer als geringfügige Auswirkungen auf das Recycling durch die Verschmutzung. Das gilt aber nur für Pizzakartons. Schmutztriefende Spezialverpackungen wie „to-go-Getränkebecher, Getränkekartons, Burger-Einwickelpapiere, Pommes Frittes-Schalen“, gehören in die gelbe Tonne erklärt Matthias Fabian.

Als Faustregel gilt: „Wenn Papierverpackungen trockene Waren enthalten, gehören sie meist ins Altpapier“, so Sachgebietsleiter Fabian. „Wenn sie für flüssige oder stark fettige Lebensmittel gedacht sind, bestehen sie oft aus einem Kunststoffverbund, der gehört in die gelbe Tonne.“

Das Umweltbundesamt kann aber nur Empfehlungen aussprechen. „Wir wollen möglichst viele Rohstoffe für das Recycling gewinnen“, erklärt Fabian. Das letzte Wort in Sachen Abfallsammlung haben aber die Kommunen. Wer es also ganz genau wissen möchte, muss sich an den jeweils zuständigen Entsorgungsbetrieb wenden.

So liegt die Verantwortung für die richtige Entsorgung des Kartons schlussendlich doch beim Verbraucher. Die könnte ihm aber bald abgenommen werden: „Die neue europäische Verpackungsverordnung besagt, dass Verpackungen mit Symbolen klar der richtigen Mülltonne zugeordnet werden müssen“, sagt Matthias Fabian. „Diese Regelung gilt in ein paar Jahren auch in Deutschland.

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