Michael Klimke, Baiosphere.
DLD-Gründerin Steffi Czerny.
München – Die Bayerische Staatsregierung hofft auf einen KI-Boom im Freistaat dank einer EU-finanzierten „Giga-Fabrik“. „Eine Gigafactory ist nichts anderes als ein großes Rechenzentrum, um das sich ein großes KI-Ökosystem gruppieren soll“, sagte Michael Klimke, Geschäftsführer der im Digitalministerium angesiedelten Bayerischen KI-Agentur, im Vorfeld der Münchner Digitalkonferenz DLD Future Hub. „Wenn die Wirtschaft so ein Ökosystem vorfindet, muss sie nicht zu den großen Hyperskalern in den USA gehen.“ Als Hyperscaler gelten Unternehmen wie Amazon, Microsoft oder Google mit ihren weltweiten Cloud-Infrastrukturen in großen Rechenzentren.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im Februar eine Milliarden-Initiative angekündigt mit dem Ziel, Europa zu einem „KI-Kontinent“ zu machen. Laut EU sollen 200 Milliarden Euro für Investitionen in KI mobilisiert werden, einschließlich eines neuen europäischen Fonds für vier KI-Gigafabriken in Höhe von 20 Milliarden Euro. Im April war von bis zu fünf Gigafabriken die Rede.
Ende Juni hatten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume (beide CSU) eine offizielle Interessenbekundung für den Bau einer KI-Gigafabrik in Bayern eingereicht. Das Rechenzentrum soll auf das Training komplexer KI-Modelle spezialisiert sein, 100 000 Chips der neuesten Generation sollen für die nötige Rechenpower sorgen. Am Ende sollen die KI-Modelle in der Medizin, der Mobilität und in der Verteidigung Anwendung finden.
DLD-Gründerin Stephanie Czerny sagte: „Bisher haben wir immer nach Amerika geschaut und uns gefragt: Was passiert im Silicon Valley? Jetzt denke ich: Warum in die Ferne schweifen?“ Im internationalen Wettbewerb mit Standorten wie dem Silicon Valley sieht Czerny insbesondere den Großraum München in einer guten Ausgangsposition für die Entwicklung eines KI-Ökosystems. Das Silicon Valley habe die Nähe zu den Surfspots an der Küste Kaliforniens, München habe das Oktoberfest, die Nähe zu den Bergen und mit den bayerischen Seen einen hohen Freizeitwert – das ziehe die „Nerds“ der Technologiebranche an.
Sie erinnere sich an ein Gespräch mit OpenAI-Gründer Sam Altman auf einer DLD-Veranstaltung im Jahr 2023. Eigentlich habe Altman nach dem Termin kaum noch Zeit gehabt, sagte Czerny, am Ende sei er zwei Stunden länger geblieben, weil es ihm so gut gefallen habe. Mit einem Tegernseer Bier in der Hand habe man sich mit Altman über das Windsurfen auf den Seen unterhalten – und jetzt habe OpenAI sein erstes Büro in Deutschland in München eröffnet.
Klimke von der KI-Agentur der Staatsregierung spricht auch der Industrie eine entscheidende Rolle bei der weiteren Entwicklung des bayerischen KI-Standortes zu. „Unsere Stärke ist die klassische Industrie, das geht runter bis zum Mittelstand“, sage er. „Da passiert die meiste Wertschöpfung, da sind die meisten Leute beschäftigt. Die müssen wir dazu bringen, dass sie ihren Schatz an Daten an Erfahrungen heben. Ihre Produkte, ihre Prozesse müssen sie mit KI-Methoden verbessern.“
Die Bayerische KI-Agentur sieht ihre Aufgabe darin, die unterschiedlichen Akteure miteinander zu vernetzen. Nach außen tritt die KI-Agentur unter dem Namen „Baiosphere“ auf. „Man muss über Grenzen zusammenarbeiten“, sagte Klimke. Wissenschaft, Unternehmen und öffentliche Verwaltung müssten in Zukunft noch viel enger kooperieren.
Wann und ob das bayerische KI-Ökosystem um ein Mega-Rechenzentrum ergänzt werden wird, ist noch völlig unklar. Nach Angaben aus Brüssel haben bislang 76 Interessenten aus 16 EU-Ländern eine Interessenbekundung für den Bau einer KI-Gigafabrik eingereicht. Die Interessenbekundungen sind noch keine Bewerbungen: Erst Ende 2025 soll ein offizieller Aufruf zur Errichtung der Mega-Rechenzentren veröffentlicht werden.