Neuer Job mit Wohnung

von Redaktion

Auch Volkswagen errichtete ganze Stadtteile für seine Belegschaft. Hier zum Beispiel die Waldsiedlung Steimker Berg aus den 50er-Jahren. © dpa

Werkswohnungen haben eine lange Historie. In Ludwigshafen etwa baute der Chemieriese BASF eine Siedlung für die Arbeiten nahe der Fabrik. © dpa

Unternehmen wie die Bahn bauen Wohnungen für ihre Beschäftigten. Viele könnten es sich sonst gar nicht leisten, in Städten wie München zu arbeiten. © Peter Kneffel, dpa

Berlin – Wer für eine neue Stelle an einen anderen Ort ziehen muss, steht oft vor einem großen Problem: Es gibt kaum noch bezahlbaren Wohnraum, insbesondere in Städten und Ballungsgebieten. Arbeitnehmer stellen sich daher zunehmend die Frage, ob der Ortswechsel für den neuen Job die Mühe wert ist. Seit Jahren versuchen deshalb immer mehr Firmen, ihre Beschäftigten bei der Wohnungssuche zu unterstützen. Schließlich können sie es sich kaum noch leisten, junge, talentierte Bewerber zu verlieren, weil die keine Wohnung für sich und ihre Familien finden.

Auch wenn derzeit infolge der Konjunkturkrise vor allem in der Industrie Tausende Stellen abgebaut werden, habe das Thema Mitarbeiterwohnen nicht an Dringlichkeit verloren, sagt Leon Kesselhut, Projektmitarbeiter beim Beratungsunternehmen Regiokontext. „Nicht nur die Unternehmen, auch Verbände reden darüber, die IHKs haben das auf dem Schirm und das Bundesbauministerium ist sehr engagiert.“

Wer als Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine bezahlbare Wohnung vermitteln oder zur Verfügung stellen kann, ist dabei klar im Vorteil. „Die Möglichkeit, am Arbeitsort adäquat zu wohnen, wird zunehmend zum Entscheidungsfaktor für einen neuen Arbeitgeber“, teilt der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) auf Anfrage mit und verweist unter anderem auf eine Umfrage des Beratungskonzerns PWC unter Beschäftigten aus dem Jahr 2023.

Mehr als jeder zehnte Befragte gab dabei an, aufgrund zu hoher Mieten schon einmal den Job gewechselt zu haben. Mehr als 80 Prozent sahen in der Wohnraum- und Mietsituation ein großes Hindernis für Arbeitgeber, um Fachkräfte zu finden und zu halten.

Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat im Jahr 2024 im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung untersucht, wie weit die Unternehmen darauf reagieren. Demnach unterstützen inzwischen mehr als eine halbe Million Firmen in Deutschland ihre Beschäftigten direkt oder indirekt bei der Versorgung mit Wohnraum. Das entspreche einem Anteil von knapp 17 Prozent aller Unternehmen in Deutschland.

Die Firmen können etwa eigene Wohnungen bauen und vermieten. Wer ein großes Werksgelände hat oder Firmengebäude umwidmen kann, ist da im Vorteil. Doch es gibt andere Möglichkeiten. Neben der Bereitstellung eigener Immobilien könnten Betriebe über Belegrechte auch Wohnungen anmieten und zu einem günstigeren Preis an die Mitarbeiter weitervermieten, so das ZIA.

So macht es etwa die Deutsche Bahn, die eine eigene Tochterfirma hat, die bei der Wohnungssuche unterstützt. In Hamburg, München, Köln und weiteren Städten stünden etwa 500 Plätze in möblierten DB-Apartments und Wohnheimen zur Verfügung. Außerdem habe die DB mit verschiedenen Partnern Kooperationen geschlossen, durch welche DB-Mitarbeitende erleichterten Zugang zu Wohnungen und Besichtigungen hätten.

„In dem unter Wohnraumaspekten besonders schwierigen Ballungsraum München hat sich die DB zudem rund 120 Belegungsrechte für Wohnungen gesichert, in denen DB-Mitarbeitende ein Zuhause finden können.“ Trotz der wirtschaftlichen Krise, in der die Bahn derzeit steckt, wolle das Unternehmen an den Instrumenten festhalten.

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