Vegane Teewurst und vegane Mini-Wiener sind im Visier der EVP-Fraktion. Sie fordert: Nur wo echtes Fleisch drin ist, darf auch Wurst draufstehen. © Imago
Brüssel – Die Produkte heißen „veganes Schnitzel“ oder „Veggie Burger“. Das Angebot von Fleischersatzprodukten im Supermarkt wächst – könnte sich nach einem EU-Plan aber bald umbenennen müssen. Nach einem aktuellen Vorschlag sollen bestimmte Begriffe im Zusammenhang mit veganen Produkten verboten werden. Nur Tierfleisch soll Fleisch genannt werden dürfen. Die Initiative geht auf mehrere EU-Agrarpolitiker zurück. Der Landwirtschaftsausschuss hatte sie vergangene Woche mit einer Mehrheit angenommen. Noch ist nichts entschieden, doch etliche Begriffe sollen künftig tabu sein.
Auf dem Index stehen nach Informationen unserer Zeitung Bezeichnungen wie Wurst, Burger, Hamburger, Steak oder Schnitzel. Aber auch Eigelb und Eiweiß sehen die EU-Politiker nur noch für tierische Produkte vor. Diese Begriffe „sind ausschließlich Erzeugnissen, die Fleisch enthalten, vorbehalten“, heißt es in dem noch nicht veröffentlichten EU-Dokument. „Die genannten Bezeichnungen dürfen ausschließlich für die dort aufgeführten Erzeugnisse verwendet werden.“
EU arbeitet an Begriffs-Index
Das aktualisierte Dossier aus dem Agrarausschuss geht vermutlich im Oktober in die Plenarabstimmung, wo erneut Änderungen möglich sind. Falls auch im Plenum eine Mehrheit für den Vorschlag stimmt, muss dieser noch in Trilogverhandlungen mit dem Rat und der Kommission bestätigt werden. Noch vergangenes Jahr hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass vegane Produkte klassische Fleischbegriffe benutzen dürfen.
Doch in Brüssel gibt es durchaus die Bereitschaft, die Bezeichnung veganer Produkte stärker zu kontrollieren. Die EU-Kommission hatte selbst bereits eine Liste mit verbotenen Fleischbegriffen angefertigt. Aber: Der Kommissionsvorschlag kam noch etwas abgemildeter daher; Begriffe wie Wurst und Burger fanden sich nicht darunter. Vielmehr nannte die Kommission vor allem Wörter in Kombination mit Fleisch, etwa Rindfleisch, Schweinefleisch oder Hähnchenfleisch.
Die Initiative geht auf die Fraktion der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) zurück, der auch CDU und CSU angehören. Federführend ist dabei die französische EVP-Berichterstatterin Céline Imart. „Ein Steak ist aus Fleisch gemacht – Punkt“, ließ sich Imart in einer EVP-Mitteilung zitieren. „Die ausschließliche Verwendung dieser Bezeichnungen für echtes Fleisch sorgt für eine ehrliche Etikettierung, schützt die Landwirte und bewahrt die kulinarischen Traditionen Europas.“
Grüne: Konservative sind „Verbotspartei“
Völliger Quatsch, sagen die Grünen. Ein Schweinebauer sei nicht dadurch bedroht, dass vegane Produkte im Supermarkt Fleisch-Bezeichnungen verwenden. Zudem würden Konsumenten den Unterschied problemlos bemerken. „Niemand wird ein Seitanschnitzel mit einem Kalbsschnitzel verwechseln“, sagt uns der österreichische Grünen-Abgeordnete Thomas Waitz. Er spricht von „billigem Populismus“, der Landwirte einschränke und Konsumenten in ihrer Wahlfreiheit einschränke. „Die echte Verbotspartei ist eben die Volkspartei.“
Auch die SPD spricht sich gegen den EVP-Vorstoß aus. „Bezeichnungen wie Burger, Wurst oder Schnitzel nur für Produkte aus Fleisch zuzulassen, lehnen wir ab“, sagt uns die oberbayerische Europaabgeordnete Maria Noichl. „Viel wichtiger ist mir persönlich, dass es klare Kennzeichnungen für alle tierischen Zutaten in Lebensmitteln gibt: Woher kommt das Fleisch in der Wurst? Wie war die Haltungsform der Tiere? Wurde das Tierwohl, auch über das gesetzliche Maß hinaus, sichergestellt? Dies sind für mich die wichtigen Baustellen, wenn es um die Kennzeichnung von Lebensmitteln geht.“