Das Münchner Rüstungs-Start-up Helsing gilt als Musterfall. Investoren stecken aktuell viel Geld in solche Unternehmen. © ANNA SZILAGYI, epa
Berlin/München – Wer hätte das gedacht. Die Wirtschaft insgesamt schwächelt, der Ausblick ist eher verhalten und die Stimmung unter Deutschlands Gründern war auch schon mal besser. Aber der Standort D wird offenbar im internationalen Vergleich attraktiver, wie der aktuelle Start-up-Monitor zeigt, der die Branche jedes Jahr durchleuchtet. Vor allem gegenüber den Vereinigten Staaten kann Deutschland punkten.
39,8 Prozent der Gründerinnen und Gründer schätzen die Anziehungskraft Deutschlands inzwischen höher ein als die der USA. Ein Jahr zuvor waren es nur 33,5 Prozent. Wird nur Europa betrachtet, sehen 61 Prozent die Bundesrepublik vorn. „Die Zahlen zeigen, dass die deutsche Start-up-Szene Aufwind hat. Dabei spielt uns der Kurs der amerikanischen Regierung in die Karten“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Start-up-Verbands, der den Monitor herausgibt. „Dieses Momentum zu nutzen, ist nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus politischer Sicht entscheidend, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren.“
Das spricht für große Chancen, die die Bundesregierung nutzen kann. Allerdings besteht offenbar Nachholbedarf. So finden 53 Prozent der Jungunternehmer, dass Deutschland im internationalen Vergleich gering digitalisiert ist. In der Verwaltung sieht es noch dramatischer aus. Acht von zehn werten die Digitalisierung dort als gering oder sehr gering. Ebenso viele halten die digitale Souveränität der Bundesrepublik für schwach – die Abhängigkeit von Technologien, die nicht aus Europa kommen, ist sehr hoch. Dazu zählen zum Beispiel Software wie Windows von Microsoft oder Bezahlsysteme wie die der Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa.
Und auch sonst hakt es nach Ansicht der Gründer etwas – zu viel Bürokratie, zu wenig Risikokapital, auch wenn sich hier etwas tut. Insgesamt flossen in diesem Jahr bereits 5,4 Milliarden Euro in deutsche Start-ups. Der Verband rechnet für das Gesamtjahr mit rund acht Milliarden Euro, ein Plus von gut acht Prozent. Rekordwert bisher: 14,6 Milliarden Euro 2021.
Start-ups gelten als große Arbeitgeber von Morgen. Der Onlinehändler Zalando etwa startete 2007 mit drei Personen im Wohnzimmer und ist heute im Deutschen Aktienindex Dax notiert. Zahlreiche Firmen wie der Berliner Onlinebroker Trade Republic oder Celonis aus München, die Firmenabläufe optimieren, sind inzwischen mehrere Milliarden Euro wert und beschäftigen mehrere tausend Mitarbeiter, in jungen Start-ups sind es im Schnitt 16.
45 Prozent der jungen Unternehmen gaben an, dass die Technologie Kern ihres Produktes sei. 2,1 Milliarden Euro flossen in derartige Gründungen. Und dann ist da noch alles rund ums Militär. Nur zwei Prozent aller Start-ups beschäftigen sich mit Verteidigung, dafür sammelten sie bisher schon 900 Millionen Euro ein, doppelt so viel wie 2024. Bekannteste Firma der Branche ist Helsing aus München, die unter anderem Drohnen entwickeln.
Auch wenn die Summen üppig aussehen, stecken Investoren das große Geld immer noch in Firmen anderer Länder. Zwischen 2022 und 2024 erhielten allein US-Start-ups im Jahresschnitt 169,4 Milliarden Dollar, in Großbritannien waren es 16,4 Milliarden Dollar, in Deutschland 7,4 Milliarden Dollar. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung liegt Singapur unter den 40 größten Volkswirtschaften an der Spitze, vor Israel und den USA. Deutschland erreicht Rang 18.