Lufthansa streicht 4000 Arbeitsplätze

von Redaktion

Bei der Lufthansa brodelt es: Dem Stellenabbau und Verlagerungen im Konzern wollen sich Flugbegleiter und Piloten entgegenstemmen. © Sven Hoppe, dpa

Die Lufthansa will bis zum Jahr 2030 rund 4000 Stellen abbauen, überwiegend in Deutschland und vor allem in der Verwaltung. Das erklärte Konzernchef Carsten Spohr in München. Der vermehrte Einsatz von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI) würde „in vielen Bereichen und Prozessen für mehr Effizienz sorgen“. Airlines der Unternehmensgruppe, zu der unter anderem Swiss, Austrian und Brussels Airlines gehören, sollen enger zusammenarbeiten. Es werde geprüft, „welche Tätigkeiten zum Beispiel aufgrund von Doppelarbeiten in Zukunft nicht mehr wie bisher erforderlich sein werden.“

In München über 500 Verwaltungsjobs

Die meisten Verwaltungsstellen im Konzern mit seinen mehr als 100 000 Mitarbeitern gibt es in Frankfurt, wo besonders viele Jobs abgebaut werden könnten. Details nannte die Lufthansa auf Nachfrage nicht, doch das Unternehmen plant laut Berichten, rund 1500 Vollzeitstellen an andere Standorte zu verlegen. Ebenfalls offen ist, wie viele Arbeitsplätze in München wegfallen werden. Auch die Gewerkschaft Verdi, die Lufthansa-Mitarbeiter vertritt, tappt im Dunklen. „Uns ist bisher kein konkreter Plan für die Stellenstreichungen bekannt“, sagte Konzernbetreuer und Verhandlungsführer Marvin Reschinsky unserer Zeitung. Insgesamt gebe es in München je nach Definition 500 bis 1000 Mitarbeiter in der Verwaltung, erklärt er, viele davon bei Tochtergesellschaften. „Es ist völlig unklar, wen es trifft“, so Reschinsky. „Das drückt im Konzern gewaltig auf die Stimmung“.

Verdi will deshalb die zum Jahreswechsel beginnende Tarifrunde für das Bodenpersonal nutzen, um für den Erhalt der Jobs zu kämpfen. „Die Beschäftigten der Lufthansa haben dem Kranich nach der Corona-Krise wieder Flügel verliehen“, so der Gewerkschafter. „Jetzt dürfen sie nicht zu den Leidtragenden des Sparkurses werden.“ Eine Alternative zu betriebsbedingten Kündigungen sei die Wiedereinführung der Altersteilzeit. Einen Kahlschlag „zu Lasten der Beschäftigten nehmen wir nicht hin.“

Gewinneinbruch bremst Airline aus

Die Lufthansa hat ein schweres Jahr 2024 hinter sich. Die Nummer 1 in Europa und Nummer 4 der Branche weltweit hatte zwar einen Rekordumsatz von 37,6 Milliarden Euro verbucht, der Betriebsgewinn sank allerdings deutlich um 2,7 Milliarden Euro auf rund 1,65 Milliarden Euro. Der Konzern führte das unter anderem auf gestiegene Kosten und Streiks zurück. Durch den Personalabbau will die Lufthansa nun ab 2028 jährlich 300 Millionen Euro Kosten einsparen. Sie will im Zeitraum 2028 bis 2030 eine bereinigte Betriebsmarge von acht bis zehn Prozent erreichen – gegenüber 4,4 Prozent im Jahr 2024.

Auch die teils veraltete Flotte soll modernisiert werden. So will die Lufthansa gleich sechs Langstreckenjets ausmustern, darunter schon 2026 den Airbus A330-200, den A340-600 und die Boeing 767-300. Für das 100. Firmenjubiläum spendierte die Lufthansa einer 787-9 noch vor wenigen Tagen in Charleston in den USA dennoch einen riesigen Kranich und die Zahl 100 auf dem Rumpf als „ikonische Sonderlackierung“ – trotz Finanzproblemen und Stellenabbau.

Die Piloten der Lufthansa sind von den aktuell angekündigten Stellenstreichungen zwar nicht betroffen, aber dennoch wahrscheinlich streikbereit. Die Urabstimmung wird heute beendet. Die Piloten stemmen sich intern gegen die geplante Verlagerung von Flugzeugen an Billigtöchter wie Discover und City Airlines, die Lufthansa zufolge 40 Prozent geringere Crewkosten vorweisen können. Vor den Investoren in München verschärft das Management diese Auseinandersetzung: Im Jahr 2030 soll nur noch rund die Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenflotte bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der Regionaltochter Lufthansa Cityline fliegen, kündigt es an. Derzeit sind es noch rund 80 Prozent der entsprechenden Flugzeuge.MIT MATERIAL VON DPA UND AFP

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