Baywa erhält Rüge von Finanzaufsicht

von Redaktion

Konzernzentrale der Baywa: Die Verantwortlichen haben im Jahr 2024 nicht genug auf Kreditrisiken hingewiesen, kritisiert die Finanzaufsicht Bafin. © Jens Hartmann

Bonn/Frankfurt – Der Agrarkonzern Baywa hat im Geschäftsbericht für das Jahr 2023 nach Ansicht der Finanzaufsicht Bafin nicht ausreichend über die schlechte finanzielle Lage des Konzerns informiert. Dabei geht es vor allem um einen milliardenschweren Konsortialkredit, wie die Bafin am Donnerstagnachmittag mitteilte. Die Bekanntmachung über die Fehler im Bericht dürften den Druck auf ehemalige Verantwortliche des Konzerns erhöhen, gegen die die Staatsanwaltschaft München wegen Bilanzfälschung ermittelt.

Konkret kreidet die Bafin der Baywa an, dass sie nur lückenhaft über einen Konsortialkredit in Höhe von 1,75 Milliarden Euro informiert hat, den die Baywa von mehreren Banken wie DZ Bank, HypoVereinsbank und Commerzbank bekommen hatte. Dieser war unter anderem daran geknüpft, dass das Eigenkapital der Baywa über einer bestimmten Quote bleiben musste – eine Vorgabe, welche die Baywa schon im Sommer 2023 verfehlte. Die Banken setzten die Regel zwar notfallbedingt aus, statt den Kredit zu kündigen, die Baywa hätte dennoch besser über die Risiken informieren müssen, so die Bafin. Auch vor Risiken bei der Refinanzierung einer Unternehmensanleihe in Höhe von 500 Millionen Euro und 632 Millionen Euro an kurzfristigen Schulden sei nicht hinreichend gewarnt worden, so die Bafin.

Die Rüge der Aufseher dürfte auch die Staatsanwaltschaft München genau verfolgen. Sie ermittelt ebenfalls im Zusammenhang mit dem Geschäftsbericht für das Jahr 2023 gegen Manager und ehemalige Verantwortliche der Baywa wegen Verdacht auf Bilanzfälschung. Das hatte Baywa-Aufsichtsratschef Gregor Scheller Ende August mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft München bestätigte die Ermittlungen gegenüber unserer Zeitung zwar, konkrete Personen, gegen die ermittelt wird, nannte sie aber nicht. In Branchenkreisen heißt es allerdings, dass es sich um alle handle, die den Geschäftsbericht unterschrieben haben. Das sind unter anderem der damalige Baywa-Chef Marcus Pöllinger sowie sein Finanzchef Andreas Helber. Pöllinger musste im Oktober 2024 seinen Hut nehmen, Helber im März 2025.

Ob auch der langjährige Baywa-Chef und aktuelle IHK-Präsident Klaus Josef Lutz Gegenstand der Ermittlungen ist, ist nicht offiziell bekannt. Unter Lutz wuchs die Baywa nicht nur zum Weltkonzern, sie türmte auch Schulden in Milliardenhöhe auf, unter denen das Unternehmen fast kollabierte. Lutz war im betreffenden Geschäftsjahr 2023 in der Verantwortung – bis April 2023 als Konzernchef, ab Juni als Vorsitzender des Aufsichtsrates. Weil er den Aufsichtsrat bereits im Januar 2024 aber im Streit verließ, unterschrieb sein Stellvertreter Bernhard Loy den Bericht. Lutz müsse die Schieflage des Konzerns da aber längst bewusst gewesen sein, glauben Experten. „Im Grunde steuerte der Konzern schon unaufhaltsam auf den Eisberg zu, als Lutz im April 2023 das Ruder übergab“, sagt Paul Petzelberger von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Die Eigenkapital-Unterschreitung war meiner Wahrnehmung nach nur eines jener Warnsignale, die unübersehbar machten, dass direkt voraus ein Eisberg liegt – aber die Baywa-Titanic war schon zu träge, um noch rechtzeitig den Kurs zu ändern.“

Tatsächlich entwickelten sich die Dinge anders als im Geschäftsbericht prognostiziert: statt wieder in die Gewinnzone zu kommen, konnte die Baywa im Sommer 2024 ihre Kredite nicht mehr bedienen und schrammte haarscharf an der Pleite vorbei. Nun wird der Konzern saniert. Die von der Bafin bemängelten Fehler im Geschäftsbericht hätten weder für das operative Geschäft noch für den Fortgang der Sanierung der Baywa Auswirkungen, sagte ein Unternehmenssprecher unserer Zeitung.

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