IG Metall: Verbrenner-Aus muss weg

von Redaktion

In der bayerischen Autoindustrie arbeiten eine halbe Million Menschen. 125 000 allein bei Audi und BMW (im Bild Werk München): © Sven Hoppe, dpa

München – Um einen Kahlschlag in Bayerns Autoindustrie zu verhindern, fordert die IG Metall ein Aufweichen des für 2035 geplanten Verbrenner-Aus in der EU. „Wenn das nicht geschieht, droht uns in den nächsten Jahren ein Verlust von Arbeitsplätzen in einer Größenordnung, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können“, warnte Horst Ott, Bezirksleiter der IG Metall für Bayern, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Betriebsratschefs von Audi und BMW in München. In Bayerns Autoindustrie arbeitet etwa eine halbe Million Menschen, 125 000 davon allein bei den beiden Herstellern aus München und Ingolstadt.

Grund für den Appell: der schleppende Verkauf von E-Autos. Die IG Metall geht davon aus, dass 2035 lediglich die Hälfte der Autokäufer weltweit ein E-Auto möchte. Der Elektromobilität gehöre zwar die Zukunft, betonte Horst Ott. Der Hochlauf erfolge aber deutlich langsamer als erhofft, weshalb man parallel weiter in Verbrenner-Technik investieren müsse. „Diese Gleichzeitigkeit zu stemmen, macht uns das Leben sehr, sehr schwer“, so der Gewerkschafter. Die Kunden würden bisher schlicht zu wenige E-Autos kaufen, sagte auch BMW-Betriebsratschef Martin Kimmich. „Das ist die Situation, der wir uns stellen müssen.“

Um Jobs zu erhalten, müsse die Politik sich deshalb dafür einsetzen, das Verbrenner-Aus in Europa abzumildern. „Die Bundesregierung muss sich jetzt sehr schnell überlegen, wie sie in Brüssel auftritt“, forderte Ott. Die EU will noch in diesem Jahr erneut über das Vorgehen beraten. Statt einem harten Verkaufsstopp im Jahr 2035 sei ein „Rübergleiten“ bis ins Jahr 2050 erforderlich, schlug BMW-Betriebsrat Kimmich vor. Dafür müsste auch der Verkauf von Plug-in-Hybriden, Fahrzeugen mit Range Extender sowie Verbrennern erlaubt bleiben, die ausschließlich synthetische Kraftstoffe tanken, so Kimmich. Auch die strengeren CO2-Flottengrenzwerte, wegen denen deutschen Herstellern schon in den kommenden Jahren Strafzahlungen im Milliardenhöhe drohen, müssten vom Tisch, ergänzte Jörg Schlagbauer, der den Betriebsrat von Audi leitet. Sie seien ein „Sargnagel für Arbeitsplätze in Bayern.“

Die Arbeitnehmervertreter sehen aber nicht nur die Politik, sondern auch die Unternehmen in der Pflicht. Die Industrie hat goldene Zeiten hinter sich, Audi schrieb selbst im Krisenjahr 2024 rund 4,2 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern, bei BMW waren es sogar 7,7 Milliarden Euro. Die Belegschaften seien den Arbeitgebern dennoch schon sehr weit entgegengekommen, um die Krise der Branche abzumildern. Bei Audi in Ingolstadt sollen zum Beispiel bis 2029 rund 7500 von der etwa 40 000 Jobs wegfallen. Entsprechend müssten im Gegenzug auch eventuelle Erleichterungen für die Hersteller für die Belegschaft spürbar werden.

Fielen etwa die CO2-Strafzahlungen weg, dürfe das oft bereits zurückgestellte und nun freigewordene Kapital nicht in Form von Dividenden an Eigentümer und Aktionäre fließen, sondern müsse „in heimische Standorte, technische Innovationen und Modelle investiert werden“, sagte Jörg Schlagbauer im Namen der Audi-Belegschaft. Er gab auch zu Bedenken, dass die Hersteller ihre überzogenen Gewinnziele senken und lieber konsequent in ihre Zukunft investieren sollten. IG-Metall-Bezirksleiter Ott forderte, dass die Unternehmen ihre Pläne zum Stellenabbau zurücknehmen müssten, sofern die Politik das Verbrenner-Aus kippt: „Wenn wir das jetzt verschieben, gehen wir davon aus, dass das, was da geplant ist, nicht im selben Maße kommt.“ Die Gewerkschaft erwarte dann „Standorttreue und Beschäftigungssicherung.“

Einig war man sich auch darüber, dass die Politik mehr tun müsse, um E-Autos attraktiver zu machen. Alle hätten Milliarden in die E-Mobilität investiert, so Schlagbauer, „es gibt keinen Weg zurück.“ Deshalb müsse die Politik die Rahmenbedingungen setzen, um vor allem Ladestrom und damit die E-Mobilität insgesamt günstiger zu machen. Horst Ott von der IG Metall drängte zudem darauf, deutsche Jobs durch „Local-Content-Regeln“ besser zu schützen. „Wer bei uns Autos verkaufen will, muss sie entweder bei uns produzieren oder unsere Zulieferteile kaufen“, sagte er. Das werde schließlich auch in anderen Weltregionen so gehandhabt. Bayerns Staatsregierung solle hier „Impulse setzen und die Bundesregierung zu aktivem Handeln in Brüssel bewegen.“

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