Städte leiden mit ihren Autobauern

von Redaktion

Wolfsburg/Ingolstadt – Für die Kämmerer vieler Auto-Städte ist es ein neues Gefühl: Statt auf sprudelnde Gewerbesteuer zurückgreifen zu können, müssen sie sparen. Denn wegen der Krise der Autoindustrie brechen bei den Unternehmen die Gewinne weg – und bei den lange verwöhnten Auto-Kommunen die Einnahmen.

Die wirtschaftliche Abkühlung trifft laut „Kommunalen Finanzreports“ der Bertelsmann-Stiftung die Haushalte im Großraum Stuttgart mit voller Wucht. Mahle, Mercedes und Porsche haben hier ihren Sitz. Besonders die Landeshauptstadt muss den Gürtel enger schnallen: Obwohl schon an einigen Stellschrauben gedreht wurde, fehlen im Doppelhaushalt 2026/27 noch fast 800 Millionen Euro. Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) zufolge handelt es sich bei dem Sparhaushalt um „eine kontrollierte, allerdings für alle stark spürbare Bremsung“.

Im Rekordjahr 2023 nahm Stuttgart noch gut 1,6 Milliarden Euro an Gewerbesteuer ein. Für 2025 rechnet die Stadt nun mit 850 Millionen Euro. Noch härter trifft es die nahe Gemeinde Weissach, Sitz des Porsche-Entwicklungszentrums: Für 2025 hatte die Kämmerei zunächst mit 65 Millionen Euro Gewerbesteuer gerechnet –- und musste die Prognose unlängst drastisch zusammenstreichen: auf drei Millionen Euro. Sindelfingen, eng mit Mercedes verbunden, rechnet mit einem Minus um ein Viertel auf 148 Millionen Euro.

Auch am VW-Stammsitz Wolfsburg sind die guten Zeiten vorbei. 2024 brachen die Gewerbesteuereinnahmen bereits um 40 Prozent auf 151 Millionen Euro ein. 2025 wird mit einem weiteren Rückgang gerechnet. Für 2025 und 2026 legte die Stadt Sparhaushalte auf.

In der Audi-Stadt Ingolstadt bricht die Gewerbesteuer ein. 2023 waren es noch 191,5 Millionen Euro. Für das laufende Jahr hatte die Stadt zunächst mit 70 Millionen gerechnet, geht inzwischen aber von nur noch 55 Millionen aus.

Die BMW-Heimat München leidet ebenfalls unter Rückgängen bei der Gewerbesteuer, die dieses Jahr wohl um etwa 159 Millionen Euro niedriger ausfallen wird, als ursprünglich geplant. Auch wenn die Summe an sich groß ist, im Vergleich zum Gesamtaufkommen ist sie eher klein: Selbst nach der Reduzierung geht die Stadt noch immer von 3,6 Milliarden Euro Gewerbesteuereinnahmen aus. München hat allerdings eine sehr viel breiter verteilte Einnahmebasis als andere Auto-Städte: Schließlich sitzen hier auch viele andere große und finanzstarke Unternehmen – zum Beispiel Siemens, Allianz oder Munich Re.

Artikel 4 von 7