Hohes Einkommen – seltener krank

von Redaktion

Am Starnberger See ist der Krankenstand besonders niedrig: Wo das Einkommen hoch ist, wird auch mehr Sport getrieben, vermuten Experten. © Rudi Ernst, imago

München – Die Zahl der Krankschreibungen in Bayern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Eine Auswertung des BR und der „Augsburger Allgemeinen“ zeigt: 2024 waren die fünf Millionen Versicherten der BKK im Freistaat im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben.

Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede innerhalb Bayerns. Im Großraum München ist der Krankenstand relativ niedrig: In München, Ebersberg und Miesbach sind es 15 oder 16 Tage, in Freising, Erding, Dachau, Fürstenfeldbruck, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und im Landkreis Rosenheim 17 Tage und in Weilheim 19 Tage. Der Landkreis Starnberg steht mit durchschnittlich 14,5 Krankheitstagen sogar deutschlandweit am besten da – nirgendwo waren Beschäftigte weniger krankgeschrieben. Deutlich länger waren Menschen im Landkreis Kronach oder der Stadt Hof arbeitsunfähig gemeldet, im Schnitt über 26 Tage. Hauptgrund für die Unterschiede sind laut BR die Arbeitsbedingungen, die im wirtschaftlich starken Süden besser sind. Hinzu kommen Gehaltsunterschiede und damit verbunden ein besserer Lebensstil: „Auch ein regelmäßiges Sportangebot im Fitnessstudio muss erst einmal bezahlt werden“, erklärte Hendrik Berth, Psychologe am Universitätsklinikum Dresden, dem BR.

Besonders häufig melden sich Menschen arbeitsunfähig, die in Reinigungs-, Verkehrs- und Logistik- oder Fertigungsberufen arbeiten – Reinigungskräfte durchschnittlich sogar mehr als einen Monat pro Jahr. Das liegt auch daran, dass die Ursache für eine Krankschreibung bei ihnen besonders häufig Muskel-Skelett-Erkrankung ist, die zu sehr langen Ausfällen führt. Im Vergleich sehr selten melden sich Menschen in der Unternehmensführung und in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen krank, also beispielsweise Wirtschaftsinformatiker, Biologen oder Geologen.

Seit 2021 haben sich die Krankschreibungen, die bei den BKK-Krankenkassen eingegangen sind, deutlich erhöht. Das hat mehrere Gründe. In diesem Zeitraum wurde zum Beispiel die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) für Arztpraxen verpflichtend eingeführt. Das heißt, Krankschreibungen müssen seitdem nicht mehr extra vom Versicherten bei der Krankenkasse abgegeben werden, sondern werden automatisch übermittelt. Die Vollständigkeit der Daten nimmt also zu.

Einen besonderen Sprung gab es aber auch bei den Krankheiten des Atmungssystems, hierzu zählen sowohl Corona- und Influenza-Infektionen wie auch der klassische Schnupfen.

Den Einfluss der telefonischen Krankschreibung, die seit Dezember 2023 bei leichten Infekten möglich ist, schätzt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbands, im BR eher gering ein: „Unsere Zahlen geben nicht her, dass die telefonische Krankschreibung schuld daran ist, dass wir plötzlich ein Volk der Krankmacher sind.“ Es gebe in den Daten keine Differenzierung, ob eine Krankschreibung per Telefon oder in der Arztpraxis stattgefunden hat. Es gebe also auch keine Grundlage für diese Behauptung.MM

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