Weihnachtsgeschäft: „Christkind hat uns enttäuscht“

von Redaktion

München – Die Wirtschaftsflaute in Deutschland droht, dem Handel das Weihnachtsgeschäft zu verderben. „Das Christkind hat uns bisher enttäuscht“, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE). Laut seiner Prognose könnten im Einzelhandel in Oberbayern im November und Dezember 5,9 Milliarden Euro umgesetzt werden, davon 2,3 Milliarden in München. Das wäre nach Abzug der Inflation nicht mehr als im Vorjahr – „und 2024 war schon nicht das Gelbe vom Ei“, so Ohlmann. Selbst im Onlinehandel, der für 18 Prozent der Gesamtumsätze im Handel steht, gibt es dieses Jahr nur ein kleines Plus von drei Prozent.

„Von Festtagsstimmung und Geschenkefieber kann keine Rede sein“, sagt Ohlmann deshalb. Schuld ist laut dem Sprecher des Handelsverbands die latente Krisenstimmung, die Verbrauchern auch unter der neuen Regierung die Lust auf Shopping nimmt. „Die Kunden halten ihr Geld lieber zusammen“, berichtet er. Besonders schwierig sei das Geschäft wegen Schneemangel und warmem Wetter bei Skiausrüstung und Winterkleidung. Auch das neue Trikot der Fußballnationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA verkaufe sich laut Ohlmann schlechter als erwartet. Dauerbrenner sind dagegen Geschenke wie Gutscheine, Spielwaren , Bücher, Schmuck oder Elektronik.

Der Käuferstreik im Advent passt zu jüngsten Erhebungen aus dem Bund. Der bei Firmen abgefragte Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Dezember erneut um 0,4 Punkte. „Das Jahr endet ohne Aufbruchsstimmung“, bilanziert Ifo-Chef Clemens Fuest. Die Sparneigung der Bundesbürger ist zudem auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise im Jahr 2008, wie die Nürnberger Forschungsinstitute GfK und NIM am Freitag mitteilten. Gleichzeitig brach die Kauflaune weiter ein, das GfK-Konsumklima rutschte auf -26,9 Punkte ab. Anfang 2020 lag es noch bei knapp 10 Punkten. Die schlechten Stimmungswerte seien „keine positiven Nachrichten für den Endspurt im diesjährigen Weihnachtsgeschäft“, befürchtet NIM-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Genau auf diesen Endspurt hoffen die Einzelhändler aber weiter. Im Schnitt machen sie 20 Prozent ihres Jahresumsatzes rund um Weihnachten, in manchen Branchen sind es sogar über 30 Prozent. Immerhin: Laut Handelsexperte Ohlmann liegt Weihnachten dieses Jahr für den Geschenkekauf sehr günstig. „Viele haben am Montag und Dienstag frei und kaufen dann noch schnell ein“, hofft er. „Und für Spätentschlossene haben die Geschäfte auch am Mittwoch noch bis 14 Uhr geöffnet.“ ANDREAS HÖSS

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