Zentralbanken kaufen in den letzten Jahren verstärkt Gold. Das treibt die Preise. © Sven Hoppe, dpa
Pforzheim – Der Goldpreis hat am Montag einen Rekordstand erreicht. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) stieg im frühen Handel im Vergleich zu Freitag um etwa 1,5 Prozent auf 4403 US-Dollar. Damit wurde der bisherige Höchststand aus dem Oktober übertroffen. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus 68 Prozent.
Der Goldpreis wurde 2025 vor allem durch die Entwicklung der Realzinsen, die Schwäche des US-Dollars sowie durch anhaltende geopolitische Unsicherheiten geprägt, die Gold erneut als sicheren Hafen in den Fokus rückten, wie York Tetzlaff, Chef des Branchenverbandes Fachvereinigung Edelmetalle, sagt. „Hinzu kam eine außergewöhnlich starke Nachfrage von Zentralbanken und Investoren, während die Schmucknachfrage auf dem hohen Preisniveau eher dämpfend wirkte.“
■ Schmuckkäufer weichen auf Platin aus
Geo- und handelspolitische Risiken wie Kriege beziehungsweise Zölle haben laut Tetzlaff kurzfristig die größten Folgen. „Gold hat über Jahrhunderte eine große Stabilität bei der Kaufkraft – unabhängig von politischen Systemen, Währungen oder Wirtschaftskrisen“, erklärt er. Zentralbanken hätten 2025 ihre Goldkäufe verstärkt, „das hat die Goldpreis-Rallye maßgeblich vorangetrieben“, sagt Tetzlaff. So habe Polen seine Goldreserven seit 2023 mehr als verdoppelt und war mit fast 90 Tonnen Goldkäufen im Jahr 2024 der weltweit größte Goldkäufer. Zudem hielten Länder mit großen Goldbeständen wie Deutschland, die USA und Italien an ihren Beständen fest.
Laut einer Analyse der Europäischen Zentralbank machten Zentralbanken mehr als 20 Prozent der globalen Goldpreisnachfrage aus. Im Schnitt der 2010er-Jahre habe der Anteil bei zehn Prozent gelegen. Vom Verhalten der Zentralbanken geht Tetzlaff zufolge Signalwirkung aus: „Das zieht den Markt.“ Eine Folge der Preisrallye: Bei Schmuck wichen sowohl Händler als auch Konsumenten vermehrt auf andere Edelmetalle, vor allem Platin aus.
Die Affinität zu Gold sei in Deutschland immer schon hoch gewesen, sagt Tetzlaff. Ein Standortfaktor sei, dass Gold in der EU von der Mehrwertsteuer befreit sei: „Goldbarren und anerkannte Anlagemünzen können in Deutschland und der EU umsatzsteuerfrei erworben werden. Wenn ich Gold als Anlageprodukt ein Jahr halte, kann ich es steuerfrei verkaufen.“ 37 Prozent der hiesigen Anleger hätten schon einmal in Gold investiert oder es besessen, viele seien Stammkunden.
Für 2026 erwartet die Branche laut Tetzlaff stabile bis steigende Preise. „Sinkende Zinserwartungen, anhaltende geopolitische Unsicherheiten und die starke Nachfrage der Zentralbanken bilden ein robustes Fundament, auch wenn zwischenzeitliche Schwankungen nicht auszuschließen sind.“