AUSBLICK

Mit Reformen kann Wende gelingen

von Redaktion

Ökonomen mahnen nachhaltige Investitionen an – Produktivitätsschub durch KI

Auch Bayern leidet unter der wirtschaftlichen Großwetterlage. Mit seiner starken Exportorientierung ist der Freistaat sogar besonders hart von Einschränkungen im Freihandel betroffen. © Sven Hoppe

München – Der konjunkturelle Ausblick für 2026 ist mit vielen Fragezeichen versehen. Das gilt für die Welt insgesamt, für die USA, vor allem aber auch für Deutschland, wo der Erfolg der geplanten Konjunkturmaßnahmen noch offen ist.

Noch nie hat der Economic Policy Uncertainty Index, der die wirtschaftliche Unsicherheit in der Welt misst, einen so hohen Stand erreicht wie 2025. Es ist Ausdruck der massiven Veränderungen, mit der die globale Wirtschaft derzeit konfrontiert ist. „Denn ausgehend von der Handelspolitik der USA haben wir es derzeit mit einer neuen Weltordnung zu tun“, sagt Hartwig Webersinke, Professor an der TH Aschaffenburg. „Aufgrund der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle sehen wir eine Entwicklung hin zum Protektionismus und eine zunehmenden Abschottung. Und das wiederum führt zu Wohlstandsverlusten in der Welt.“

Tatsächlich sind Zölle nichts anderes als eine Steuer auf Importe und damit ein Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft. Der durchschnittliche effektive Zollsatz der USA lag vor dem Trumps Amtsantritt bei rund zwei Prozent, inzwischen sind es 18 Prozent. Und dieser durch die US-Zölle ausgelöste negative Angebotsschock wird die Weltwirtschaft nach Ansicht der LBBW weiter belasten. Er erschwert die internationale Arbeitsteilung, bremst Produktivitätsfortschritte und erfordert neu justierte Lieferketten. Das sorgt für Unsicherheit.

Dennoch ist der Blick auf die Wachstumsprognosen zunächst wenig spektakulär. Der IWF prognostiziert ein globales Wachstum von 3,1 Prozent, etwas weniger als die 3,2 Prozent im zu Ende gehenden Jahr. Wachstumslokomotive sollen dabei die USA bleiben. Dort ist für 2026 ein Wachstum von 2,3 Prozent und eine Inflationsrate von 2,9 Prozent zu erwarten.

Doch ist diese Prognose mit vielen Fragezeichen behaftet. Auch wenn sich keine Rezession abzeichnet, so schwächten sich zuletzt doch der Arbeitsmarkt und das Verbrauchervertrauen etwas ab. Dazu kommen Risiken wie die Neubesetzung der US-Notenbank Fed oder die Zwischenwahlen im Herbst.

Positiv könnte sich dagegen die Entwicklung im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) auswirken. Nach Schätzung von JP Morgan werden die führenden Technologiekonzerne im kommenden Jahr mehr als 500 Milliarden Dollar in KI investieren. Sollte dies zu einem deutlichen Produktivitätsschub führen, dann ist nach Ansicht der Experten von M.M. Warburg auch mehr Wachstum möglich.

Deutlich geringer fällt die Wachstumsprognose für die Eurozone aus. Allgemein wird hier von einem Plus von 1,1 Prozent ausgegangen. Soweit es Europa betrifft, geht der Blick der Ökonomen aber vor allem nach Deutschland. Der Grund sind die geplanten Infrastrukturausgaben. Tatsächlich erwies sich die deutsche Wirtschaft, die in 2024 schrumpfte und 2025 nur leicht um 0,2 Prozent wachsen dürfte, zuletzt als Bremsklotz für die Eurozone. Doch wie stark sich das geplante Ausgabenpaket auswirken wird und ob es nachhaltig zu einem beschleunigten Wachstum führt, das ist offen.

Zwar gehen die Volkswirte der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe von einem Wachstum von rund 1,2 Prozent für Deutschland im kommenden Jahr aus. Sie mahnen aber an, dass das Geld nicht konsumtiv oder zum Stopfen von Haushaltslöchern verwendet werden dürfe.

Vielmehr müssten damit Investitionen angeschoben werden, die kapazitätssteigernd wirken. Dazu sind laut der DZ Bank grundlegende Reformen unabdingbar. So wird immer wieder der dringende Abbau der Bürokratie sowie das Setzen von Arbeitsanreizen gefordert.

Schafft es die Regierung aber, dies umzusetzen, dann könnte eine dauerhafte Trendwende gelingen. Positiv ist zudem, dass von der Inflationsseite im Euroraum derzeit kaum Risiken ausgehen. So soll die Teuerungsrate laut Hauck Aufhäuser Lampe sowohl im Euroraum wie auch in Deutschland in 2026 bei zwei Prozent liegen und damit auf dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Damit sind keine steigenden Zinsen zu erwarten.

Niedrige Zinsen aber dürften ebenso wie staatliche Ausgabenprogramme, die es nicht nur in Deutschland, sondern auch auf EU-Ebene gibt, für Wachstumsimpulse sorgen. Es gibt also durchaus ein paar Gründe – trotz der neuen protektionistischen Weltordnung – für 2026 optimistisch zu sein.GERD HÜBNER

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