AUSBLICK

Aktien bieten auch 2026 Chancen

von Redaktion

Experten rechnen trotz gestiegener Risiken mit Kurszuwächsen

Aktien bieten auch 2026 Chancen. Angesichts der großen Unsicherheiten raten Experten aber zur Diversifizierung. © IMAGO/JOHN ANGELILLO

Ende Dezember 2022 stand der deutsche Leitindex Dax bei knapp 14 000 Punkten. Heute, drei Jahre später, steht er bei über 24 000 Punkten. Ein Zuwachs von rund 72 Prozent. Und auch international waren die Zuwächse ähnlich stark. Der MSCI World legte, in Dollar gerechnet, bis Ende Dezember 71 Prozent zu, beim S&P 500 waren es 76 Prozent.

Damit hatten wir drei starke Aktienjahre hintereinander mit Zuwächsen von rund 20 Prozent in 2025. „Historisch ist es aber so, dass darauf sehr selten ein viertes starkes Aktienjahr folgt“, informiert Burkhard Wagner von der Partner Vermögensmanagement AG. Das legt nahe, dass das kommende Jahr heraufordernd für Aktienanleger werden könnte.

Allerding sehen die Prognosen gut aus. Die DZ Bank erwartet Ende 2026 den deutschen Leitindex Dax bei rund 27 500 Punkten. Vom aktuellen Stand aus wäre das ein Plus von rund zwölf Prozent. Beim US-Leitindex S&P 500 rechnen die Experten mit einen Anstieg auf 8000 Punkte von derzeit rund 6900 Punkten, für den Euro Stoxx 50 soll das Plus bei 7,7 Prozent liegen.

Eine Erwartung, die nicht ganz unbegründet ist: Sven Langenhan, Leiter Investment Office bei HRK LUNIS, erwartet Rückenwind von weiter steigenden Investitionen in die KI-Infrastruktur. „Zudem befinden sich viele Industriezweige nun in einer frühzyklischen Erholungsphase, während zugleich eine prozyklische US-Fiskal- und Geldpolitik, mit Steuererleichterungen und anhaltend hohen Ausgaben für Infrastrukturprogramme sowie fortschreitender Deregulierung das Gewinnwachstum der Unternehmen unterstützen“, fasst er zusammen.

Nicht zu vergessen ist, dass die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Handelspolitik der USA, da inzwischen etliche Zollabkommen geschlossen wurden, nachlassen dürfte. Eine wichtige Grundlage für weiter steigende Aktienkurse ist ferner das globale Wachstum, das trotz aller Unsicherheiten im kommenden Jahr bei rund 3,1 Prozent liegen soll.

Dennoch gibt es Risiken, die zwischenzeitlich – ähnlich wie 2025 – zu erheblichen Kursschwankungen führen können.

Kommt es etwa bei den hoch bewerteten Aktien aus dem KI-Bereich zu Enttäuschungen, dann kann es zu erheblichen Kurskorrekturen kommen. Zudem ist derzeit nicht klar, ob sich die immensen KI-Investitionen der Technologiekonzerne auszahlen werden. „Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die Technologieriesen heute richtig viel Geld verdienen und KI das Potenzial hat, die Produktivität in so gut wie allen Branchen zu erhöhen und die Kosten der Unternehmen zu senken“, sagt Wagner. „Dennoch bleibt angesichts der anhaltenden geo- und handelspolitischen Risiken und der hohen Bewertungen eine breite Diversifikation im Portfolio wichtig.“

Dazu gehören auch Aktien aus Europa oder den Schwellenländern, wobei dabei der US-Dollar eine wichtige Rolle spielt. Der büßte in 2025 rund elf Prozent gegenüber dem Euro ein, was die Rendite der Euro-Anleger, die im Dollarraum investiert sind, deutlich schmälerte. Dagegen profitierten gerade Aktien aus den Emerging Markets von dem schwächeren Dollar.

Aber auch eine Beimischung von Anleihen, denen Leitzinssenkungen in den USA zugutekommen dürften, kann hilfreich sein, um die Kursschwankungen im Portfolio zu reduzieren. Hier empfehlen die meisten Experten Unternehmensanleihen hoher Qualität sowie sichere Staatsanleihen aus dem Euroraum.

Vorsicht ist dagegen bei Gold und insbesondere bei Silber angebracht. Ob auf dem aktuellen Niveau ein Einstieg empfehlenswert ist, ist fraglich. „Wir sehen zwar bei Gold eine weiterhin ungebremste Nachfrage der Notenbanken, jedoch führen sehr hohe Preise traditionell zu zusätzlichem Angebot, das auf den Markt kommt“, sagt Langenhan.

Soweit es jedoch den Aktienmarkt betrifft, könnte es noch einen weiteren Grund für ein erneutes positives Jahr geben: „Sollte es zu einem Frieden in der Ukraine kommen, würde ein großer geopolitischer Risikofaktor wegfallen“, so Wagner, „und dann könnten wir trotz gegenteiliger historischer Erfahrung ein viertes gutes Aktienjahr hintereinander erleben.“

Artikel 4 von 6